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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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leichter wurde. Am Rand der Innleite, kurz vor Erharting, hielt ich eine kleine Nachmittagsrast, doch säumte ich nicht zu lange, denn ich hatte mir vorgenommen, am selben Abend Tittmoning zu erreichen, wo mich eine alte Bekannte, Fräulein Spaeth, die ehemalige Haus- dame Pfarrer Kottmayrs, sicher zu Nacht behalten würde. Ich kam aber nicht so weit, denn etwa sechs Kilometer vor Neuötting entriß mir ein amerikanischer Kontrollposten mein Rad, da es nicht aus- drücklich im Passierschein vermerkt war, daß ich mit Rad reisen dürfe. In jenen Tagen beschlagnahmten die Amis Fahrräder für heimkeh- rende Ausländer. Mein Protest half nichts, das Rad wurde zum großen Haufen der übrigen geworfen und ich mußte froh sein, zu Fuß weiter wandern zu können. Ich hoffte, wenigstens am selben Abend bis Alt- ötting zu gelangen, wo ich mich an alte volkskundliche Freunde, Frau Apotheker Beck und Familie Reindl erinnerte. Den Inn mußte ich, da auch hier die Brücke gesprengt war, auf einem Fährboot über- setzen. Die Füße schmerzten schon ein wenig, als ich gegen sieben Uhr auf der Straße zwischen Neu- und Altötting meines Weges zog.

Plötzlich stürzte aus einem Haustor ein Mann» auf mich zu, schüttelte mir strahlend beide Hände und ließ mich nicht mehr los. Es war Sebald Tewes, der eifrige Mitarbeiter an meinem Berchtesgadener Brauchtumsbuch, der mir seinerzeit soviel Material zugebracht hatte. Er sei gerade hier auf Besuch bei seiner Schwiegermutter, und ich solle unbedingt bei ihnen wohnen. Ich ließ mir das nicht zweimal sagen. In dem rosenumrankten Biedermeierhaus, das sich hinter blühenden Obstbäumen versteckte, fühlte ich mich so wohl, daß ich ganze vier Tage dort blieb. Die alte Dame, deren rote Backen eine überraschende Lebensfrische verrieten, nahm mich auch wirklich reizend auf und rüstete mir zur Begrüßung nicht nur ein köstliches warmes Bad, son- dern auch einen fetten Schmarrn, der unter normalen Umständen für mindestens fünf Personen gereicht hätte, den ich aber bei meinem noch wochenlang anhaltenden Appetit restlos in die Flucht schlug. Die materiellen Genüsse nahmen in den ersten Wochen meiner Frei-

heit überhaupt einen erheblichen Raum ein, so ernüchternd dies für

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