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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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jungen Bauern nach Landshut zurück, wo inzwischen bekanntgegeben worden war, daß heute die ersten Passierscheine ausgestellt würden. Da ich den neuen Bürgermeister, Brauereibesitzer Wittmann, dem Namen nach kannte, war es mir ein leichtes, durch seine Vermittlung bei der amerikanischen Polizeistelle, dem sogenannten CIC, als einer der ersten einen Reiseausweis zu erhalten. Politische Häftlinge waren ja angesehene Personen geworden! Salingers waren mir in rührender Aufmerksamkeit behilflich, ein Rad zu beschaffen, damit ich bei dem, angesichts der sinnlosen Brückensprengungen noch monatelang ruhen- den Bahnverkehr, den weiten Weg nicht zu Fuß machen müsse. Die warmherzige Freundlichkeit dieser Familie kann ich überhaupt nicht genug rühmen. Sie-dachte an alles, vom Kräftigungsmittel aus der Apotheke angefangen, bis zu meiner Entlausung, der Bereitstellung von Kleidern, Wäsche und Schuhen.

Wohlausgerüstet und mit reichlich Proviant versehen, verabschiedete ich mich dankbaren Herzens am Dienstag, den 8. Mai, morgens früh, von dem gastfreien Haus und fuhr innerlich zufrieden hinaus in den wolkenlosen Maimorgen.Zum erstenmal nach meiner Entlassung über- kam mich ein tiefes Glücksgefühl. Frank und frei fuhr ich in gelasse- ner Ruhe dahin und ließ die Augen nach allen Richtungen über Täler und Höhen schweifen. Es gab nichts, was mich nicht erfreut hätte; das junge Buchengrün, die rosa blühenden Apfelbäume, die blanken, weiß-getünchten Einzelgehöfte, und über allem das lichtblaue Him- melsgewölbe, darin die strahlende Sonne immer höher emporstieg! Alles eroberte ich mir neu! Und dennoch empfand ich das alles nicht mehr mit der persönlichen Unmittelbarkeit des Besitzenwollens, son- dern irgendwie anders, etwa so, als käme ich von einem fremden Stern zu einem unverbindlichen Besuch herab auf diese Welt: Ich fühlte das mit einigem Erstaunen, war aber von Herzen viel zu froh, um darüber lange nachzugrübeln.

In Vilsbiburg besuchte ich meine alten Freunde, die Wachszieherfami- lie Lechner, die mich sichtlich bewegt empfingen und mich nicht reich- lich genug füttern konnten. Sie ließen es sich nicht nehmen, mir noch einmal Proviant mitzugeben, so daß mein Rucksack schwerer statt

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