nur bemühte ich mich, durch Entfaltung meiner Hamsterkünste auch
meinerseits etwas zur Aufbesserung der Kost beizutragen.
Es verlautete, daß in der nächsten Woche niemand die Stadt ver- lassen dürfe, nur ein Radius von fünf Kilometer war erlaubt. Das machte mir indessen nichts aus, denn ich verspürte zunächst noch keinerlei Drang, bald nachhause zu kommen. Ohne daß es mir be- wußt wurde, verlangten meine Nerven nach Ruhe und Kräftigung. Die hoffte ich in dem problemlos bürgerlichen Rahmen der Familie Salinger am ehesten zu finden. Da ich keinerlei Ausweise besaß, und ich den Tierarzt doch gerne auf seinen ärztlichen Fahrten auf’s Land begleiten wollte, stellte mir dieser einen Schein aus, auf dem zu lesen stand, daß ich bei ihm als Veterinärgehilfe angestellt sei. Das erste amtliche Dokument nach meiner Enthaftung, das ich auf diese Weise erhielt, wird mir stets denkwürdig bleiben.
Die Zeit verging in ruhigem Gleichmaß, ich wurde langsam körperlich kräftiger; als ich am dritten Tage nach meiner Befreiung zum ersten- mal mit der 73jährigen Frau Salinger den Schloßberg bestieg, da mußte ich sie bitten, langsamer zu gehen, damit ich nachkäme. Dann aber machte ich von Tag zu Tag rasche Fortschritte, täglich wurden meine Wege weiter. Ich besuchte verschiedene Bauern in der Um- gebung, denen ich in Salingers Auftrag Medikamente überbrachte, welchen Anlaß ich zum Lebensmitteleinkauf benutzte. Ich erinnerte mich lebhaft meiner Gymnasiastenzeit und die vor 25 Jahren erlernte Beredsamkeit kam mir bei meinen neu entfalteten Hamsterkünsten gut zustatten. Salingers waren jedesmal äußerst erfreut, wenn ich mit vollbeladenem Rucksack nachhaus’ kam. Am Sonntag entschloß ich mich, nach Unterbachham zu wandern, um meinen damaligen Lebens- retter zu besuchen und ihm nochmals für sein mutiges Eintreten zu danken. Es war ein herrlicher, still verträumter Sonntag, das Wetter immer noch etwas aprilig, leichte Regenschauer wechselten mit grellem Sonnenschein, in welchem die Trollblumen in der feuchten Senke des kleinen Tales golden aufleuchteten. Allmählich wurde der Lebenswille stärker in mir und mit ihm der Wunsch, sobald als möglich in meine
Heimat zurückzukehren. So fuhr ich denn am Montag früh mit dem
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