Der amerikanische Offizier bestellte mich zum Sprecher für meine vier Kameraden. Nachdem er sich in Kürze informiert hatte und be- sonders mich nach Namen und Herkunft gefragt, machte er eine un- bestimmte Bewegung mit dem Kopf und sagte:„Than go one“,„geh weiter“, dann ließ er mich allein im Gang stehen, ohne sich um mich zu kümmern. Ich stieg langsam die Treppe zum Haupteingang des Gefängnisses empor. An der Tür standen einige Beamte im Gespräch, an dem sie mich ungeniert teilnehmen ließen. Sei es, daß sie mich in meiner Zivilkleidung nicht als Gefangenen erkannten, sei es, daß die Ereig-
nisse sie zu sehr aus dem Gleis geworfen hatten, jedenfalls kam es
keinem in den Sinn, mich vom offenen Portal wegzuweisen. Ich blieb eine Zeitlang unschlüssig stehen, dann spazierte ich langsam und ge- mächlich hinaus auf’die Straße. Erst als ich etwa dreißig Meter ent-
fernt war, beschleunigte ich meine Schritte, um etwas mehr außer
Sicht zu kommen. Nun befand ich mich also endgültig und unwider-
rufbar in Freiheit! Ein wenig verwundert blickte ich umher. Über Nacht hätte es geschneit und auf den Baumblüten lastete der frisch: gefallene Schnee! In den Straßen herrschte lebhaftes Getriebe, ameri- kanische Militärautos rasten lärmend über das Pflaster.
Ich nahm mir vor, zunächst einmal den Tierarzt Salinger aufzusuchen, der mir beim Abschied am Samstag Abend seine Adresse gegeben hatte, sonst kannte ich ja niemand in Landshut. Er wohnte nur wenige Häuser vom Gefängnis entfernt. Als ich sein Haus betrat, war er mit seiner Tochter gerade erst aus Unterbachham zurückgekehrt. Beide begrüßten mich mit lebhafter Freude wie einen vom Tode Erstande- nen. Sie alle hatten sehr um mein Schicksal gebangt, da sie von den Gefangenen-Erschießungen, die überall in der Umgebung stattfanden, gehört hatten. Nun, es war mir Gott sei Dank nichts passiert! Nur Hunger hatte ich wie ein Wolf und der war einstweilen stärker als jedes andere Gefühl. Salinger’s hatten auch hierfür volles Verständ- nis und setzten mir ein üppiges Frühstück mit Kaffee, Butter, Brot und Marmelade vor; alles lang entbehrte Genüsse! Da ich bald merkte, daß es ihnen an nichts gebrach, ließ ich mir alles, was sie mir heute
| und in den folgenden Tagen darboten, ohne Hemmungen schmecken;
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