schlossen hatten, Landshut zu verteidigen und die amerikanische Truppe sich der Stadt von Norden und Westen her langsam nähere.
Den Sonntag über blieb es ziemlich ruhig, nur in der Ferne hörte
man ab und zu den Donner der Artilleriegeschütze. Am Montag. wurde es langsam lebhafter, der Beschuß wurde stärker und das Feuer kam immer näher. Zum eigentlichen. Angriff gingen die Truppen aber immer noch nicht über. In unserer Abgeschlossenheit konnten wir uns keine richtige Vorstellung vom Laufe der Ereignisse machen, aber Spannung und Unbehagen wuchsen. Erst in der Nacht vom Montag auf Dienstag ging es richtig los. Etwa um 11 Uhr begann ein heftiges Artilleriefeuer, das ohne Pause bis gegen zwei Uhr dauerte; überall um uns herum schlugen die Granaten ein; auch das Gefängnis selbst bekam einen Treffer, zerbrochene Glasscheiben fielen klirrend in die Zelle. Wir verkrochen uns unter unsere Decken und steckten die Köpfe dicht an die Fensterwand. Es war recht ungemütlich, aber noch lange nicht so schlimm als ein Fliegerangriff. Denn die Granatenein- schläge sind in ihrer Wirkung doch viel weniger verheerend. Mit Zittern und Zagen erwarteten wir jede Minute den Einsatz der Luft- waffe. Doch ganz gegen unser Erwarten trat gegen Morgen völlige Ruhe ein. Wir konnten uns das alles nicht erklären, und abgespannt wie wir waren, sanken wir in festen Schlaf, aus dem wir erst erwach- ten, als wir gegen sieben Uhr morgens in den Gängen des Gefängnis- ses lebhafte Bewegung und ein aufgeregtes Hin- und Hergelaufe ver- nahmen.;
Ehe wir uns über den Sinn dieser rätselhaften Unruhe klar geworden waren, öffnete sich plötzlich die Zellentür und ein amerikanischer Offizier trat leibhaftig herein. Auch draußen im Gang war alles voll mit amerikanischem Militär. Viele der politischen Häftlinge warfen sich den Soldaten in die Arme, weinten und lachten im selben Augen- blick; mit einem Wort, es bot sich mir eine Szene, wie sie mir aus Romanen und Schauspielen genügend bekannt war. Vielleicht war dieser allzu programmgemäße Ablauf mit daran Schuld, daß ich selbst nicht sonderlich davon ergriffen war. Aber vielleicht hatte ich auch
nur zuviel Hunger!
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