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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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fängnisinspektor erhebliche Grobheiten machte und ihm mit der An- zeige bei einer höheren Stelle drohte, da er uns angeblich niemals hätte entlassen dürfen. Er erklärte sich aber endlich doch bereit, uns nach Landshut zurückzubringen. Erst nachdem unser braver Lebens- retter er war es im vollsten Sinn diese tröstliche Versicherung erhalten hatte, machte er sich auf den Heimweg, während wir von der nämlichen Kolonne nach Landshut zurückgebracht wurden.

Wieder einmal hatten wir das Walten der Vorsehung sinnfällig zu spüren bekommen; die Rückführung ins Gefängnis erschien uns, da wir um Haaresbreite dem Tod entronnen waren, nunmehr weniger schmerzlich, nur die guten Schmalzkrapfen, die gerade vor unserer Verhaftung in Unterbachham ins Ofenrohr geschoben worden waren und auf deren Genuß wir nun leider verzichten mußten, ließen wir ungern zurück. Noch fühlten wir uns nidit restlos sicher, denn mit der Möglichkeit, auf dem Transport in den berüchtigten Isarauen vielleicht doch noch um die Ecke gebracht zu werden, war immerhin zu rechnen. Doch nichts von allem geschah. 3

Abends einhalb acht Uhr wurden wir im Polizeigefängnis wohlbe- halten eingeliefert und der gutmütige Inspektor gewährte uns als Er- satz für die kaum gewonnene wie zerronnene Freiheit eine doppelte Verpflegungsration. Aus Platzmangel wurden wir alle fünf in eine enge Zelle gesteckt, in der wir uns mit Müh und Not nebeneinander lagern konnten und endlich Zeit fanden, den aufwühlenden Ereig- nissen dieses bewegten Tages nachzusinnen. Es kam uns alles vor wie ein wüster Traum!

Es ist eine häufig zu machende.Beobachtung, daß man aus einem Zu- stand, sobald er einmal einiges Gewicht erlangt hat, nur schwierig in einen andern hinüberwechseln kann. Auch diesmal dünkte es mir, als wolle uns das Zuchthaus um jeden Preis mit Polypenarmen festhalten. Sogar der Tod, dem ich im letzten Jahre einige Male bedenklich nahe war, versuchte im letzten Augenblick nochmals nach mir zu greifen, ehe er seine Beute endgültig fahren ließ. Noch immer war unsere Situation als bedenklich zu bezeichnen. Wir erfuhren am Sonntag

morgen von unseren Aufsehern, daß sich die alten Machthaber ent-

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