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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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Hangenden Stein, als meinem Rad zum wiederholten Mal die Luft ausging, wurde ich lebhaft begrüßt und zum Kaffee eingeladen. Aus Gründen, die mir immer noch etwas rätselhaft sind, kam mir die neuerliche Verzögerung wiederüm nicht unerwünscht. Ich erfuhr nun die ersten ‚Neuigkeiten aus der engeren Heimat, daß ich sehnlichst erwartet werde, daß die Amis bereits eine Suchexpedition ausgesandt hätten, daß ich Bürgermeister werden sollte und anderes mehr. End- lich brach ich doch auf; zwei Bauernburschen vom Haus machten meine Begleiter. In Au begegnete ich als erstem Bräuhäusler dem bie- deren Pauli, der fast vom Rad fiel, als ich ihn anrief und der, wie alle anderen, sofort zu weinen anfing. Als wir vor der Brauerei erschienen, waren wir eine stattliche Kolonne. Mein Auftauchen rief auch hier den üblichen Volksauflauf hervor, die halbe Nachbarschaft stürzte herbei und drängte sich um mich. Ich hielt etwas verlegen und krampf- haft das Rad fest und schaute mit erstauntenAugen auf das bewegte Getriebe. Vom Lärm angelockt, eilten auch meine eigenen Angehöri- gen aus dem Haus. Tante Mizi, Edda und Liesel, die aus Graz, und Onkel Sigi, der aus Wels geflüchtet war, herbei und nicht zuletzt die gute Berta. Sie holten mich festlich ein; es war etwa halb sechs Uhr abends.

Es dauerte nicht lange, dann erschien Otto Wagner, der sich als Pro- kurist meines Geschäfts in all der Zeit tapfer und unerschrocken an- genommen hatte, dann völlig aufgelöst Gotthard Brandner, der Viel- getreue, der ohne Bedenken seine Haut für mich zu Markt getragen hätte, und zuletzt auch noch Herr Pfarrer Schüller. Alle waren sehr gerührt und erschüttert, nur ich selber saß ein wenig unbeteiligt in- mitten dieses aufs äußerste bewegten Kreises. Gewiß freute ich mich über die Beweise der Treue und Anhänglichkeit, aber zwischen mir und meiner Freude lag sozusagen ein luftleerer Raum; wie damals im Saal des Volksgerichtshofes, so fühlte ich auch jetzt wieder die Spal- tung meiner Persönlichkeit. Ich sah mir selbst gewissermaßen zu. Sehr still ging mir das Herz in der Brust, kaum spürte ich es schlagen. Auch eine leichte unbestimmbare Neugierde, die auf- und abwallte

wie ein dünner Nebel, konnte mich nicht aus der Fassung bringen.

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