Augenblick wurden wir stutzig, als während des Vormittags der Bauer erschien und uns bat, für eine Weile zu verschwinden, ein evakuiertes Naziweib sei im Anzug, die sich bei ihm die Milch hole. Nach einiger Zeit verschwand sie indessen wieder und schien von unserer Änwesen- heit nichts gemerkt zu haben. Dafür kam gegen Mittag die Tochter des Tierarztes Salinger, Fräulein Irene, und brachte aus Landshut die Nachricht mit, daß die Nazi-Diktatur gestürzt sei und sich in München eine neue demokratische Regierung gebildet habe. In Landshut sei alles weißblau beflaggt und überall sehe man strahlende Gesichter. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, dennoch schwanden keines- wegs alle Bedenken. Man erfuhr keine Einzelheiten und wußte nicht, wie sich die abgetretenen Machthaber und die überall im Lande ver- streuten SS-Truppen verhalten würden. Die anfängliche Freude ver- wandelte sich in eine beängstigende Spannung und Unsicherheit, zu- mal später Kommende zu berichten wußten, die alte Regierung habe keineswegs abgedankt. Während des Mittagessens wurde heftig de- battiert und alle Eventualitäten besprochen. Die Aufregung wuchs. Nach Tisch zog ich als erster Zivilkleider aus dem Besitz des Tier- arztes Salinger an, für zwei weitere Kameraden stellte der Bauer und der Kunstmaler Anzüge zur Verfügung. Ich freute mich indessen nicht lange an meiner neuen Pracht, als plötz- lich, während wir in aller Gemütsruhe in der Küche saßen, draußen am Hof eine Reihe von Gewehrschüssen krachte. Ein panischer Schrecken ergriff uns! Alles stürzte aufgeregt durcheinander, niemand getraute sich hinaus! Nach einigen Minuten erschien der Bauer, noch blaß vor Schrecken. Wir seien verraten worden, eine SS-Gruppe von drei Mann habe den Stadel umstellt und blindlings auf die darin befindlichen Gefangenen geschossen. Diese hätten sich jedoch hinter die Dresch- maschine geworfen und Gott sei Dank sei niemand getroffen. Kurz darauf ertönte eine barsche Kommandostimme; als ich hinaussah, - standen bereits meine vier Kameraden in Reih und Glied im Hof, um abgeführt zu werden. Natürlich stellte auch ich mich, nachdem ich noch mit ein paar Worten den Bauern und den Tierarzt gebeten hatte,
sich, wenn irgend möglich, für uns zu verwenden. Ich wies, draußen
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