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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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Mit Einbruch der Dämmerung, gegen neun Uhr abends, trafen wir auf dem stattlichen Einödhof ein. Die Mutter des Bauern und seine Schwe-

ster hatten uns ein vorzügliches Mahl bereitet, geröstete Kartoffeln, herrliches Bauernbrot und Kaffee mit viel guter Milch. Eineinhalb Jahre hatte ich nicht mehr so üppig gespeist; es gingen mir förmlieh die Augen über, als ich alle die Genüsse vor uns sah. Nachher ging es ans Erzählen, jeder von uns mußte den Anwesenden seine Schicksale berichten. Die Tafelrunde war recht stattlich, außer den Angehörigen des Bauern waren noch der Landshuter Tierarzt, Regierungsrat Salin- ger und seine Frau, ein prächtiges altes Ehepaar, die wegen der un- sicheren Zeiten aufs Land geflüchtet waren, und ein älterer Kunst- maler anwesend. Es ging auf Mitternacht, als uns der junge Bauer im Pferdestall unsere Schlafplätze anwies. Er brachte uns warme Decken und jedem von uns noch einen herrlichen Apfel als Gutnacht- gruß. Dann streckten wir wohlig unsere Glieder und sanken mit einem unsagbaren Glücksgefühl in Schlaf. Die erste Nacht in der Freiheit! Erst langsam wurde es uns klar, was das bedeutete. Noch konnten wir es nicht fassen, ein nicht völlig überwundener Rest von Furcht blieb im Unterbewußtsein zurück. Theoretisch waren wir ja immer noch Gefangene.

Als wir am nächsten Morgen erwachten, regnete es in Strömen. Unser

- Freund und Gönner riet uns, noch ein oder zwei Tage bei ihm zu

bleiben, überall in der Umgebung treibe sich die SS herum und man könne nicht wissen, was alles passiere. In längstens einer Woche seien ja doch die Amerikaner hier, und wir sollten uns nicht unnötig einer Gefahr aussetzen, auf alle Fälle uns vor der Weiterwanderung Zivil- kleider verschaffen. Wir nahmen die Einladung dankbar an, und als sich herausgestellt hatte, daß der junge Neumaier ein leidenschaft- licher Bergsteiger sei, lud ich ihn sofort ein, sich auch umgekehrt möglichst bald bei mir als Gast in Berchtesgaden einzufinden. Die vier anderen boten sich an, ihm als Entgelt für die Verpflegung bei der Arbeit zu helfen. Ich wurde beauftragt, inzwischen die Zivil- kleider zu besorgen.;

Wir fühlten uns in dem abgelegenen Hof gut aufgehoben, nur einen

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