tor hielt uns fünf nochmals zurück, mit dem Bemerken, er habe noch eine Arbeit für uns.
Wie erstaunten wir aber, als er uns statt dessen in sein Büro kommen ließ, nach unserem Namen fragte und uns dann einen Zeitel ausfolgte, auf dem vermerkt stand, daß wir ohne Begleitung einer Wache be- rechtigt seien, nach München zu wandern und uns dort bei der Polizei zu melden. Das hieß nicht mehr und nicht weniger als: Ich geb’ euch eine Chance, schaut, daß ihr weiter kommt! Das völlig Unerwartete traf ein: kurz nach sechs Uhr öffnete sich das Gefängnistor, und wir standen frei auf der Straße. Noch konnten wir das nicht fassen! Es erging uns wie einem Vogel, der lange im Käfig gesessen hatte. Zag- haft und etwas ängstlich, stets voller Sorge, unser Zuchthausgewand könnte irgendwelchen Leuten Anlaß geben, uns neuerdings zu ver- haften, zogen wir auf der Münchener Straße unseres Weges dahin. Allmählich wurden wir mutiger und begannen zu überlegen, wo wir übernachten sollten, wer uns ohne Geld aufnehmen und verpflegen würde. Alle diese Fragen begannen uns, je tiefer der Tag sich neigte, desto mehr zu beschäftigen. Ich riet, wir möchten uns doch möglichst von der Hauptstraße fernhalten, fand aber nur geteilten Beifall. Un- sere Zweifel wurden jedoch auf eine unerwartete Weise behoben.
Ein Radler, ein junger Mann, überholte uns und als er von einem aus unserer Schar um Feuer angegangen wurde, ließ er sich mit uns in eine Unterhaltung ein, fragte nach dem Woher und Wohin, nach den Gründen unserer Verhaftung und ob auch ein„Besserer“ unter uns sei. Ich erwiderte,„„jawohl, der Bessere war’ i!“ und erzählte ihm das Wichtigste über unsere Schicksale. Er meinte:„‚Solchane wia ös, seid’s, gfall’n'ma, i kann nämlich die Nazi a net schmecka!“ Dann lud er uns als Gäste auf seinen Hof, der einige Kilometer von hier in einem Seitental, in Unterbachham bei Ast, gelegen sei und bot uns Nacht- mahl und Quartier an; er heiße Erhard Neumaier und sei nach dem frühen Tod seines Vaters der Bauer. Wir ließen uns das nicht zweimal sagen und dankten dem jungen Mann für seine Freundlichkeit. Er radelte dann voraus und sagte, wir möchten nur langsam nachkom-
men, bis wir einträfen, sei alles für unseren Empfang vorbereitet.
RERT FTSE TEENS
RR,


