Kilometer östlich von Landshut. Hier fanden wir Unterkunft in einer
mächtigen Scheune; Heu war keines vorhanden, und da wir nicht am blanken Erdboden liegen wollten, bezogen Baader und ich einen Lei- terwagen, wo wir zwischen den Sprossen liegend, die Nacht leidlich verbrachten. Am nächsten Morgen gab es eine angenehme Über- raschung. In einem Nebenraum wurde gerade der Sautrank aus zer- stampften Kartoffeln zubereitet. Die Magd, die damit beschäftigt war, erbarmte sich unser und ließ uns davon essen und mitnehmen, soviel wir wollten. Sie konnte sich nicht genug wundern, daß wir darüber so glücklich waren; hätte sie gewußt, daß wir in Straubing die unge- schälten Kartoffeln nicht einmal aussortiert vorgesetzt bekamen, dann wäre es ihr allerdings begreiflich erschienen, daß uns die zwar unge- schälten, aber doch immerhin ausgesuchten Kartoffeln als Delikatesse gegen die bisher gewohnte Nahrung vorkommen mußten. Wir aßen nach bestem Vermögen und füllten unsere Feldgeschirre noch bis an den Rand mit dieser unerwarteten Zubuße als Wegzehrung. Hernach wurden wir wiederum auf zwei Leiterwagen verladen und konnten die letzte Wegstrecke nach Landshut fahrend zurücklegen.
Gegen elf Uhr vormittags wurden wir vor dem Tor des dortigen Poli- zeigefängnisses abgeladen; es war am Freitag, den 27. April. Die Luft war, wie alle Tage, seitdem wir am Transport waren, unsäglich warm und mild, in den Gärten blühten bereits einzelne Obstbäume. Da die Zellen überfüllt waren, durften wir uns im Hof des Gefängnisses lagern. Unsere Gruppe wurde dazu bestimmt, die Kost auszuteilen. In der Zwischenzeit ließen wir es uns in der heißen Sonne wohl sein. Am frühen Nachmittag kam ein Auto, das uns Nachzügler dem großen Transport nachbringen sollte. Inzwischen waren schon allerhand Ge- rüchte im Umlauf, daß die SS in. den Isarauen oberhalb Landshut Hunderte von Gefangenen erschossen hätte, so daß es uns weniger denn je verlockend erschien, wieder zum großen Haufen zu kommen. Gott sei Dank war das Auto viel zu klein, um alle Mann aufzunehmen. Wir hielten uns daher im Hintergrund und abermals blieben unser dreißig zurück. Nach der Verteilung des Abendessens um fünf Uhr sollten wir in die Zellen gesperrt werden. Doch der Gefängnisinspek-
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