tige Schwabe D. eines Morgens, als er meine Zelle aufsperrte, unter- brochen von häufigen Grunztönen, die geflügelten Worte sprach:„Gute Morga, hm—m, schön’s Wetta heut, hm—m, des ischt die Zeit der Feschte, hn—m, Oktoberfescht, hn—m, jezscht feire wir auch bald a Fescht, hm— m, aber a anderes, hm— m, das Fescht der Befreiung.“ Leider kam alles ganz anders, als man erwartete Die Offensive im Westen geriet an der deutschen Grenze nochmals ins Stocken und wie ein Blitz aus heiterem Himmel langte am Dienstag, den 19. September, die Anklage des Volksgerichtshofes bei mir an, zugleich mit dem Be- fehl zu meinem sofortigen Abtransport nach Berlin. Ich war wie vor den Kopf geschlagen und konnte mich kaum fassen. Meinen Kameraden und den Wachtmeistern erging es genau so. Herr Verwalter R. be- nahm sich in dieser aufregenden Stunde wirklich prächtig. Er gestat- tete mir, daß ich von seinem Büro aus telefonisch meinen Rechtsan- walt und meine Freundin, Frau Kammersängerin Mihacsek, verstän- digte. Diese kamen auch sobald als möglich und ich hatte Gelegenheit, wenigstens das Wichtigste zu besprechen, auch Felicie’s persönlichen Besuch konnte ich empfangen, obwohl Privatbesuche eigentlich verbo- ten waren. Mit bösartigem Raffinement war mir und den Anwälten die Anklageschrift so spät zugesandt worden, um mir und ihnen eine sachliche Vorbereitung unmöglich zu machen. Durch das Entgegen- kommen von Herrn Roth konnte ich zwar in Eile einiges klären, aber ein richtiges Aktenstudium war natürlich nicht mehr möglich, hätte, da das Urteil ja von vornherein feststand, auch nicht viel geholfen. Die Anklageschrift war in einem ziemlich gehässigen Ton gehalten, ließ aber doch einige Möglichkeiten offen, so daß ich zwar ein strenges Urteil, aber nicht gerade das Schlimmste befürchtete. Trotzdem war ich sehr aufgeregt und zugleich auch niedergedrückt, der Wechsel der Situation war ein zu plötzlicher und unerwarteter.
Am Mittwoch früh nahm ich Abschied. Ich glaube fast, daß Fo nie einem Häftling in Neudeck so viel herzliche Anteilnahme entgegenge- bracht wurde. Die Kameraden trösteten mich aus Leibeskräften, Sani-
täts--Hauptwachtmeister D. bekam einen krebsroten Kopf, als ich sein
Zimmer betrat und begann regelrecht zu weinen. Sogar die Nazi-
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