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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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wohin die Sache treibe. Auch die Nachrichten der diversen Schwarz-

sender teilten mir manche unter ihnen ganz unbefangen mit. War ein- mal ein besonders heißer Tag, dann brachte mir dieser oder jener heimlich eine Flasche Bier mit der Bemerkung, ich dürfe aber seinen Kollegen nichts davon verraten. Auf diese Art erhielt ich an einem heißen Augusttag einmal fünf Halbe Bier zugleich, jede von einem anderen. Natürlich gab ich von meinem Überfluß wieder an andere vertraute Gefangene ab. Die Kosttürln mit dem Griff des Taschen- messers heimlich zu öffnen, hatte ich inzwischen ja längst gelernt, und so war es mir möglich, den Gefangenen nicht nur öfter als erlaubt Bücher, sondern auch Nachrichten und Eßwaren zu vermitteln. Natür- lich mit der gebührenden Vorsicht und nur an solche, die es auch verdienten. Ich wunderte mich manchmal selber, was für ein raffi- nierter Zuchthäusler aus mir geworden war. Allerdings riskierte ich wicht sonderlich viel, da ich mit den Häftlingen sowohl wie mit dem Personal des Hauses auf sehr gutem Fuße stand. Es hing dieses mit meinem Amt zusammen, das mir ermöglichte, sozusagen berufsmäßig den Insassen des Hauses Freude zu bereiten, indem ich ihnen nach Möglichkeit diejenigen Bücher heraussuchte, die sie gern lasen, und ihnen häufiger etwas brachte, als ich eigentlich gedurft hätte. Wenn die Wachtmeister mitunter auch schimpften, daß sich der Bücherhausel gar zu oft in den Gängen des Hauses herumtreibe, so begegnete ich ihnen mit einem Witzwort. Wachtmeister Sch. etwa, dem das Krach- schlagen besonderes Vergnügen bereitete, nahm ich den Wind aus den Segeln, indem ich mich recht unverschämt mit meinem Bücherkistchen vor ihn hinstellte und sagte:„Herr Wachtmeister, ich hab Ihnen schon lang nimmer schimpfen hören.“ Da mußte er doch lachen und erlaubte mir wieder einmal das Austragen der Bücher außerhalb der vorge-

schriebenen Zeit.

Als ich anfangs September noch immer keine Anklageschrift erhalten hatte, da rechnete niemand mehr im Haus, daß mein Fall noch zur Verhandlung käme. Auch ich wiegte mich in ziemlicher Sicherheit. All- gemein glaubte man damals, der Krieg ginge in wenigen Wochen zu

Ende. Bezeichnend für die Stimmung war es, daß der sonst so vorsich-

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