Druckschrift 
Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
Seite
66
Einzelbild herunterladen

Wachtmeister schüttelten mir freundlich die Hand und wünschten mir alles Gute. Mit wehmütigem Humor erinnerte ich mich an die Verse von Wilhelm Busch:„Ach das war mal‘eine schöne, rührende Fami- lienszene.“

Rückblickend kann ich behaupten, daß die Neudecker Zeit die ange- nehmste Periode innerhalb meiner Gefängnislaufbahn darstellt. Daß dem so war, ist aber nicht nur den internen Verhältnissen zu danken, sondern war auch eine Folge der erfreulichen Nachrichten, die aus der Außenwelt in meine Abgeschiedenheit drangen. Die vielen Briefe, die mir vor allem Felicie, aber auch andere Freunde hereinschrieben, er- hielten mich stets am Laufenden und bewirkten, daß ich mir in aller Einsamkeit nie verlassen vorkam, sondern wußte, daß draußen teil- nehmende Herzen für mich schlugen, die alles taten, um mir zu helfen.

Aus Berchtesgaden hörte ich, daß Gotthard Brandner und die Weih- nachtschützen leidenschaftlich für mich eintraten, was für erbitterte Kämpfe sie mit dem Kreisleiter führten, der unentwegt meinen Aus- schluß aus der Vereinigung forderte, ohne ihn bei dem hartköpfigen Ausschuß durchdrücken zu können. Meine Gefolgschaft gab bei der Gestapo ein glänzendes Gutachten über meine Verdienste als Betriebs- führer:ab. Mein Buchhalter Otto Wagner hatte es abgefaßt, wie es auch seiner Geschicklichkeit und Initiative stets gelang, trotz aller Verbote, die Weihnachtsschützen einerseits und meine Anwälte an- dererseits mit dem nötigen Entlastungsmaterial zu versorgen.

Aus all dem spürte ich, daß man mich nicht vergessen hatte und die Bevölkerung Berchtesgadens im allgemeinen treu zu mir hielt. Mein landwirtschaftlicher Verwalter, Fegg Barthl, brachte beinahe all- wöchentlich im Geheimen Lebensmittel nach München, die mir Felicie oder ihr treues Faktotum Käte trotz Fliegerangriffe und Verkehrs- störungen mit unentwegter Beharrlichkeit ins Gefängnis trugen. Natürlich kamen mitunter auch unangenehme Nachrichten. Intrigen und Verleumdungen des Kreisleiters drangen an mein Ohr, doch konn- ten mich diese Dinge eigentlich weniger erschüttern. Hingegen schmerzte

mich die Nachricht vom Tode meines Lieblingshundes Troll tief. Ich

66