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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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Brot und Obst, die man sich von seinen-Angehörigen einmal in der Woche bringen lassen konnte. Zum Brot rechnete man indessen auch jede Art von Kuchen, zum Obst Gemüse und Marmelade. Diesem Um- stand hatte ich es zu verdanken, daß ich bis zu meinem Transport nach Berlin gesundheitlich in guter Verfassung war und daher die nachfolgende Hungerperiode leidlich überstehen konnte.

In Neudeck gab es nur zwei unangenehme Beamte, den Oberinspektor und den Werkmeister; beide waren überzeugte Nazis und hätten uns gerne viel schlechter behandelt, drangen aber damit nicht durch. Hauptsächlich deshalb, weil sie selber zu viel Dreck am Stecken hatten, da sie manche Dinge aus den Beständen des Gefängnisses für ihre Privatzwecke an sich nahmen. Das blieb natürlich nicht verborgen und aus diesem Grund waren sie nicht in der Lage, so vorzugehen, wie sie es gerne gewollt hätten, und ihre Autorität dem übrigen Personal, ja sogar den Gefangenen gegenüber, soweit diese an bevorzugten Stellen waren, durchzusetzen. Es blieb bei gelegentlichen Anläufen.

Vom Wachpersonal will ich nun zu den Mitgefangenen übergehen, und diejenigen, die irgendwie in meinen engeren Gesichtskreis traten, zu schildern versuchen. Wirklich angefreundet habe ich mich nur mit einem einzigen unter ihnen, dem Kunstmaler Geyr, der im zweiten Stock eine Kavalierszelle neben mir bewohnte. Er wurde, als ich zum Bücherhausel avancierte, mein Nachfolger in der Tintenzelle. Auf Grund einer Denunziation war er, wie ich, wegen staatsfeindlicher Äußerungen bereits im November 1944 festgenommen worden. Er hatte insofern Glück, als sein Fall vom Volksgerichtshof an das Ober- landesgericht rücküberwiesen wurde und ein wohlgesinnter Richter ihn wegen Unglaubwürdigkeit der Zeugen freisprach., Er war ein ernster, sehr religiös veranlagter Mensch und hatte sich in den letzt- vergangenen Jahren hauptsächlich als Kirchenmaler betätigt. Einige seiner Schöpfungen konnte ich in photographischen Reproduktionen bewundern, es handelte sich um mächtige Wandgemälde, gleich be- deutsam im Gedanklichen wie in der formalen Ausgestaltung. Gleich mir war er seit Jahrzehnten nicht mehr zu den Sakramenten gegan-

gen, aber das Zuchthauserlebnis im Verein mit den sonntäglichen

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