welche undefinierbare Grunztöne aus, die sowohl guten Morgen wie
guten Abend heißen konnten; später wurde es unter uns Gefangenen üblich, uns genau in derselben Weise a la D. zu begrüßen. Eines Tages, als ich allein in der Tintenzelle saß, kam er zu mir, blinzelte mir ungeheuer listig zu und fragte:„Haba’s koi Zängla?“, ich antwortete beflissen:„freilich, freilich,”kann ich Ihnen vielleicht eiwas helfen?“, worauf er mir ganz heimlich zuflüsterte:„‚Mei’ Rosekranz is mir ge- rissa, könnan’s mir’n net zammacha?‘“ Ich konnte den Schaden rasch reparieren, lachte ihm verständnisinnig zu und von diesem Moment an waren wir gute Freunde. Wenn ich, wie oft einmal, Durchfall hatte, dann besuchte ich ihn in seinem Ordinationszimmer und er hat mir stets die gewünschten Medikamente verabfolgt, was bei ihm schon etwas bedeutete, denn er pflegte die reichlich angeforderten Heil- mittel nur sparsam an die Gefangenen abzugeben.
Weitaus der anständigste unter den Beamten, ein Ehrenmann durch und durch, war Herr Oberverwalter Roth; als überzeugter Gegner des Nazitums war er nie zur Partei gegangen; unter Nichtbeachtung seiner Weisungen gab er uns„Politischen“ sogenannten„Herren“ die besten
Zellen, teilte uns dem Luftschutz zu, was den großen Vorteil hatte,
daß wir, als die Angriffe Keller saßen. Dabei war den kleinen Mankeleien
Sympathie für uns, doch
sich mehrten, stets in relativer Sicherheit im er absolut korrekt, hatte keine Ahnung von seiner Beamten und verhielt sich, bei aller eher zurückhaltend.
Ein überzeugter Schwarzer war der Wachtmeister Ho., der uns stets als Martyrer bezeichnete, uns am Abend öfter heimlich Bier auf die Zelle brachte, wozu er eigens nach Dienstschluß nochmals ins Ge- fängnis kam. Ihm und Freund‘ H. habe.ich es zu verdanken, daß ich stets mit Lebensmitteln gut versorgt war. Je mehr sich die politische Lage zu Ungunsten der Nazis veränderte, desto gemütlicher wurde der Betrieb in Neudeck; an dem Verhalten der Wachtmeister konnte man wie an einem Barometer die politische Situation zuverlässig ab- lesen. i
Dabei muß berücksichtigt werden, daß man in Neudeck die Vorschrif-
ten ohnehin schon großzügig genug auslegte; offiziell erlaubt waren
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