Be 200 5225
ee 0 Sn 0 2. 220)
vet
m
Um;
engen Zelle eingesperrt war, kann gar nicht ermessen, was das bedeu- tet. Es ist der erste Vorgeschmack der Freiheit, man spricht mit den Kameraden, kann seine Beine rühren und vor allem, man sieht und hört, was in der Welt vorgeht.
Ich wurde also zum Tintenkuli befördert und kam tagsüber in die so- genannte Tintenzelle. Es arbeiten dort immer zwei Gefangene, wobei der eine von ihnen, der länger dort ist, zugleich das Amt des Biblio- thekars verwaltet. In der Tintenzelle befand sich ein großer Ballon mit Tintenextrakt, der mittels eines Schlauches in kleine Röhrchen ab- gefüllt wurde, welche dann zugestöpselt, mit Etiketten versehen und zu je 50 Stück in Kartons verpackt wurden. Wöchentlich sollten ca. 2000 Stück abgefüllt sein, die dann von.der Firma, in deren Auftrag wir die Arbeiten ausführten, abgeholt wurden. Die Tintenzelle waı stets offen, einmal da man öfters warmes Wasser am Brunnen holen mußte, ferner weil der Bücherhausl Gelegenheit haben sollte, die Bücher auszutragen. Es ergab sich somit die Möglichkeit, unter dem Vorwand einer Arbeit in den Gängen herumzulaufen, in unbeaufsich- tigten Momenten mit den Zellennachbarn zu sprechen, oder auch um- gekehrt Besuche zu empfangen. Gelegentlich brachte ein Küchenjunge eine kleine Aufbesserung der Menage im Tausch gegen Zigaretten, die man selber irgendwie hereingeschmuggelt hatte. Dann kam der Papier- wachtmeister oder ein anderer Wärter zu einem kleinen Ratsch und je intimer sich der Umgang mit der Länge meines Aufenthaltes gestal- tete, desto ausgedehnter wurden die Gespräche. Die nicht-nazistischen Wachtmeister ließen dabei gelegentlich Bemerkungen fallen, im Ver- gleich zu denen jene Äußerungen, derentwegen ich in Haft saß, direkt eine Harmlosigkeit darstellten. Besonders Freund O., der Papierwacht- meister, leistete sich in dieser Richtung Erkleckliches.
Der Sanitäts-Hauptwachtmeister D. stand ihm indessen nur wenig nach. Von ihm habe ich noch nichts erzählt, und doch war er ein Original vom Scheitel bis zur Sohle. Ein blitzschlauer Schwabe, der keinem seiner Kollegen traute und bei seinen Mitteilungen stets das eine Auge zukniff und mit dem anderen verschlagen blinzelte. Mor-
gens und abends ging er durch die Gänge und stieß dabei irgend-
sl


