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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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die Schädeldecke in Trümmer ginge. Ich war Bewegung gewohnt und der ständige Aufenthalt in dem kleinen Raum machte mich mitunter ganz wahnsinnig. Den kleinen Spaziergang, der uns viermal wöchent- lich eine halbe Stunde lang gewährt wurde, konnte ich kaum erwarten. Er bestand. allerdings nur darin, daß wir in dem kleinen dunklen Ge- fängnishof, einer hinter dem andern, das schmale Rechteck inmitten des Gebäudes entlang gehen durften, ohne miteinander zu sprechen. Aber man atmete doch wenigstens die frische kalte Luft ein und konnte seine Füße bewegen.

Allmählich wurde ich ruhiger, die erregenden Besuche des Anwalts, der mir in der ersten Zeit stets neue, unangenehme Nachrichten aus Berch- tesgaden meldete, wurden seltener, und ich brachte durch Arbeit und Lektüre einige Abwechslung in die Eintönigkeit des Dahinlebens. Die Arbeit bestand in Falten und Kleben von Briefumschlägen und Per- gamentbeuteln, die mir der Arbeitswachtmeister O. täglich herein- brachte. Er war ein humorvoller Mann mit lustigen braunen Augen, der mich und die anderen sogenannten besseren Herren nicht mit Arbeit überhäufte und uns hinreichend Zeit ließ zur Lektüre. Länger als vier bis sechs Stunden täglich habe ich wohl nie gearbeitet, da- zwischen las ich. Die Bibliothek des Hauses war sehr gut und der Gefangene; dessen Amt es war, die Häftlinge mit Büchern zu ver- sehen, meinte es gut mit mir. Es war ein ehemaliger christlicher Ge- werkschaftler, der gleichfalls aus politischen Gründen bereits zwei Jahre ohne Untersuchung eingesperrt war, und eine bevorzugte Stel- lung einnahm. Er führte-den schönen Titel Bücherhausl, fragte mich nach meinem Geschmack und brachte mir sogar das Literaturverzeich- nis der Bibliothek. Entgegen der Vorschrift hatte ich stets vier bis fünf Bücher in meiner Zelle, teils belletristischen, teils wissenschaft- lichen Inhalts und ich benutzte die erzwungene Muße, um meine Literaturkenntnisse zu vermehren. Die dichtenden Frauen nahm ich mir vor: Rikarda Huch, Selma Lagerlöf und andere, die ich bisher vernachlässigt hatte. Dazwischen las ich die Kulturgeschichte Griechen- lands von Burckhardt, einige religionsgeschichtliche und philosophische Werke, die Tiergeschichten und Naturschilderungen von Hermann

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