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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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soll, jedoch die Gutmütigkeit leuchtet aus seinen Augen und bewirkt, daß der Schnurbart eher etwas komisch aussieht. Ich muß meine Ge- schichte wiederholen. Dann wartet er, bis sich sein Kollege entfernt hat, um seiner Wut mit noch unverhohleneren Worten Ausdruck zu geben:„Diese Saubande! Aber den Nazis müßt Ihr es später einmal genau so kochen, wie sie es Euch jetzt tun! Na machen Sie sich nichts draus! Ein Baron sitzt schon seit fünf Jahren hier, ein feiner Mann! _—_. Sie werden sich auch noch eingewöhnen bei uns, Sonnenseite haben Sie auch und wenn’s beim Fenster hinausschauen, wobei Sie sich aber nicht erwischen lassen dürfen, sehen Sie in den Garten und dahinter die Trambahn vorüberfahren!— Na, ich komm schon von Zeit zu Zeit und unterhalt mich ein bißchen mich Ihnen.“

Er entfernt sich schlüsselklirrend und ich bin wieder allein in der sin- kenden Abenddämmerung; die Zelle ist verhältnismäßig groß, etwa 2 m breit und 3”/; m lang. Da kann man sogar ein bißchen auf und ab gehen. Ich bin froh, daß ich allein bin und die gute Behandlung wirkt wie Balsam auf mein wundes Herz. Ich denke mir:„Jetzt bist halt ein Trappisten-Mönch geworden“, und wünsche mir im Herzen nichts anderes, als möglichst lange hier bleiben zu dürfen.

Nach kaum einer Stunde bekomme ich durch das nun schon gewohnte Kosttürl mein Abendessen hereingeschoben. Das Essen ist meine ein- zige Sorge; denn es ist wirklich unbeschreiblich schlecht und wenig. Es ist schon so, daß man äußere Unannehmlichkeiten oft schwerer ertragen kann als seelische Leiden, mit denen man sich als Philosoph 'allmählich irgendwie abfindet. Aber dieser undefinierbare Brei, der da täglich hereinkommt, ist kaum hinunterzuwürgen. Doch es sollte mir rascher geholfen werden als ich ahnen konnte. Nach etwa vier Wochen speiste ich bereits nicht gerade wie ein Fürst, aber immerhin wie ein Wachtmeister.

Das Abendessen kommt immer sehr früh, da es in den Zellen kein Licht gibt. Es bleibt nichts anderes übrig, als sich mit Eintritt der Finsternis ins Bett zu legen. Das ist jetzt im Januar sehr früh, schon um halb sechs Uhr. Jeden Abend verfolge ich auf einem Stuhl am

Fenster stehend, das Spiel der Dämmerung am südlichen Himmel,

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