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Druckschrift 
Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
Entstehung
München-Pasing _dategranularity1948
Seite
40
Rechtsdrehung 90°Linksdrehung 90°
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Während der Mittagspause saß ich zum erstenmal in der Gefängnis-

zelle. Sie war ganz eng und schmal, etwa 1,20‘m breit und 2,20 m lang und enthielt nur eine herabzuklappende Pritsche und einen Stuhl. Das Essen wurde mir durch das sog. Kosttürl, einem quadratischen Einschnitt in der Zellenpforte, in einer Schale hereingereicht. Die Situation war mir so völlig neu und ungewohnt, daß ich noch nicht in der Lage war, sie recht zu überdenken, Sie hat mich zunächst mehr physisch als seelisch ergriffen. Ich bekam erhebliche Herzbeklemmun- gen, brachte nur einige Löffel von der ziemlich undefinierbaren Suppe herunter und mußte mich, da mir etwas schwach wurde und die Ner- ven zu versagen drohten, flach ausgestreckt auf den Boden legen. Gott sei Dank hatte ich keine Zeit, mich meiner Gemütsdepression hinzu- geben, denn ich wußte, daß alles darauf ankäme, meine am Nach- mittag zu machenden Angaben klug und geschickt zu formulieren. Ich benutzte die zweistündige Pause, um mir jedes Wort zurechtzu- legen und das brachte mich über die unerträgliche Spannung des Wartens am leichtesten hinweg. i

Das nachmittägige Verhör dauerte vier Stunden, doch ich war glänzend in Form, und tat das einzig Richtige, nämlich gar nichts zuzugeben und alles als ein Mißverständnis hinzustellen.. Dabei mußte: ich stets darauf achten, den Angeber zu desavouieren, ohne ihn doch als be-; wußten Lügner hinzustellen. Meine Aufgabe muß ich allem Anschein nach gut gelöst haben, denn der Untersuchungsrichter, dem ich eine Woche später in München vorgeführt wurde, ein enragierter Nazi, bezeichnete meine Aussagen als ein Meisterwerk jesuitischer Wortgewandtheit. Der Wahrheit getreu muß ich zugeben, daß mich der Leiter der Gestapo in Berchtesgaden, Schmidbauer, relativ gut behandelt hat. Er erlaubte mir sogar, daß ich am Abend den Besuch meiner Tante und den Dr. Braitmaiers empfangen durfte, die mir Wäsche, beruhigende Medizinen und etwas zu essen brachten. Infolge der Anwesenheit der Wachebeamten hatte ich keine Gelegenheit, etwas Wesentliches zu sprechen, immerhin konnte ich von meinen Angehörigen Abschied nehmen und mich zum letzten Mal für lange Zeit dem Gefühl einer warmen menschlichen Nähe und Teilnahme hingeben,

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