Haft nehmen. Nach einigen Vorfragen rückte er endlich mit der An- zeige des Gottfried R.. heraus, und ich war selber am meisten über- rascht, über die Menge der staatsfeindlichen Äußerungen, die ich ge- tan haben sollte, und den gehässigen Ton in dem sie niedergeschrieben waren. Auch ein vernichtendes Gutachten des Kreisleiters Stredele lag bei, worin er mich beschuldigte, ich habe meine militärische u.k.-Stel- lung zu Unrecht besessen und deren Verlängerung mit unfairen Mitteln betrieben. Diese Anschuldigungen konnte ich Gott sei Dank durch Zeugen so schlagend widerlegen, daß sie sogar der Volksgerichtshof in der Anklage fallen ließ. Dem Kreisleiter war es eben nur darum zu tun gewesen, mein Ansehen zu untergraben und dazu war ihm jedes Mittel recht. Anders glaubte er wohl nicht ans Ziel zu kommen. Es wird stets ungeklärt bleiben, inwieweit R... nicht überhaupt nur vom Kreisleiter als Werkzeug mißbraucht wurde; an der Formulierung der Aussagen des R... hatte er, so viel steht fest, einen entscheiden- den Anteil.
In einer allgemeinen Charakteristik bezeichnete mich der Kreisleiter als Typus des den Nationalsozialismus ablehnenden Hochintellektuel- len und als jesuitisch vorgebildeten konfessionell absolut gebundenen Vertreter der politischen Weltkirche. Ähnlich drückte sich auch bei meiner Verhandlung der Vertreter des Volksgerichtshofes, Herr Freis- ler, aus. Diese Kennzeichnung meiner Person nötigte mir allerdings nur ein leises Lächeln ab; sieht man jedoch von der nationalsozialisti- schen Phraseologie ab, die alles über einen Leisten schlägt und die Dinge verzerrt, indem sie sie vereinfacht, so hatte der Kreisleiter im Grunde doch gar nicht so unrecht; mit der sicheren Witterung des ab- gefeimten Politikers spürte er den unüberbrückbaren Gegensatz unser beider Naturen und die Größe der Gefahr, die dem totalen Staat von Leuten meiner Geistesart naturnotwendig drohe, schätzte er richtig ein.
Das Verhör dauerte den ganzen Tag, wurde aber nicht von Schmid- bauer selbst, sondern von einem der beiden Beamten geführt, die bei mir die Haussuchung gehalten hatten. Am Vormittag wurden mir die Angaben meines Belastungszeugen vorgelesen,, am Nachmittag hatte
ich Gelegenheit, meine Verteidigung zu Protokoll zu geben.


