Honorar verspreche, unter der Bedingung, daß er den Auftrag rasch ausführe.
‘So machte ich mich denn zwei Tage später auf den Weg zu R... Vielleicht war der Zeitpunkt nicht glücklich. gewählt, denn ich hatte am selben Morgen die Nachricht vom Selbstmord der Emma Gürtler, einer alten Freundin meiner Mutter erhalten, den sie mir selbst in einem ergreifenden Abschiedsbrief mitgeteilt hatte. Die Sache ging
mir ziemlich nahe, da ich ihr ein solches Maß an Seelengröße, wie sie
in diesem Brief offenbarte, nicht zugetraut hätte. Aber wenigstens
brauchte ich mir keine Vorwürfe zu machen; denn, als ob ich etwas
geahnt hätte, hatte ich ihr an Weihnachten ein Lebensmittelpaket ge-
sandt nebst einem langen Brief, den ich, da ich wußte in welch großer
Vereinsamung sie sich befand, im Ton herzlicher gehalten hatte, als
meinem wirklichen Empfinden für sie entsprach.
Ich war daher ein wenig geistesabwesend, als ich zu R... kam und R das war mit ein Grund, warum ich es im Gespräch an der nötigen Vor-
sicht fehlen ließ. R... lenkte nach einigen Minuten vom Thema ab,
indem er betonte, daß ihm infolge seiner Pflichten als-Kreisschulungs-
redner für die Kunst weniger Zeit übrig bleibe. Von hier aus ging er- sofort auf die Politik über und sagte, er und der neue Kreisleiter würden gern meine Ansichten über Brauchtumspflege und deren Be- ziehung zur Religion kennen lernien. Er‘gab dabei die üblichen Nazi- sprüche von sich und als fanatischer Kirchenfeind ließ er es an Phrasen, wie etwa, daß das syrisch-jüdische Christentum den germanischen Geist vergiftete und ähnlichen Redewendungen nicht fehlen. Da es mich ärgerte, daß er mir, von dem er doch wußte, daß ich als Dozent gerade dieses Fach lehre, mit derartigen abgedroschenen Sätzen kam und es mich enttäuschte, daß er als gebürtiger Berchtesgadner nicht mehr Verständnis für die Gefühle der bäuerlichen Bevölkerung aufbrachte, antwortete ich teilweise ziemlich scharf. Meine Ablehnung, mich im Rahmen der Parteiveranstaltungen in seinem Sinne zu betätigen, er- bitterte ihn noch mehr und ohne viel Umschweife setzte er mich in seinen Reden mit denjenigen Intellektuellen, die die Meinung ver-
träten, daß die Nazis den Reichstag angezündet, ja daß sie überhaupt
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