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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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durchsichtige Föhnluft noch bis in die ersten Tage des November. Ich

unternahm einige Bergtouren auf das Lattengebirge, den- Untersberg und zuletzt am 3. November noch auf den Hohen Göll. Ich ahnte, daß dies für lange meine letzte Bergbesteigung sein würde. Am Gipfel an- gelangt, konnte ich mir nicht genug tun, die selten klare und reine Aussicht immer wieder zu betrachten und sie mir bei geschlossenen Augen förmlich auswendig einzuprägen. Mehrere Stunden verbrachte ich am Gipfel ausgestreckt in der heißen Sonne, bei einer völligen Stille des Windes.

Gotthard Brandner war damals mein Begleiter und beim Abstieg über das Brett nach Vorderbrand sprachen wir über das bevorstehende Kriegsende und auch darüber, wer nach dem Zusammenbruch in Berch- tesgaden die Geschicke der engeren Heimat leiten solle. In weiser Voraussicht setzten wir schon damals alle Landbürgermeister ein und viele sind es dann auch später tatsächlich geworden.

Auch die neblige Zeit des Vorwinters brachte neben allerlei Auf- regungen doch manche schöne Augenblicke. Ich freute mich, so oft ich abends durch Kälte und Regen von Berchtesgaden zu Fuß heimwärts zur Koppenleiten wanderte, auf die traulich erhellte Stube mit der schweren Decke aus Lärchenholz und dem breiten behäbigen Kachel- ofen, an dem ich mir den Rücken wärmen konnte. Das Gefühl der, Geborgenheit umfing mich wie ein kostbares Gut, das ich noch in vollen Zügen genießen müsse, ehe ich es verlöre. Ich versuchte, mir einen Schatz an unzerstörbaren Erinnerungen anzusammeln, und jede einzelne Stimmung kostete ich aus bis zur Neige. So waren diese letz- ten Tage meiner Freiheit nicht verloren, im Gegenteil, sie waren er- füllt von heimlichstem Erleben unter einer fast unbewegt erscheinen- den Oberfläche.

Am zweiten Feiertag besuchte ich Hans Angerer von Ramsau, der gerade auf Urlaub war. Im Verlauf der Unterhaltung sagte er mir, daß Friedel R... mit den bestellten Federzeichnungen nicht: recht weiter machen wolle, vermutlich, weil er annehme, daß er, Angerer, nicht entsprechend zahlen könne. Ich erwiderte, diese Sorge könnte ich ihm

leicht abnehmen, indem ich selber zu R... ginge und ihm ein gutes

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