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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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fremden Einflüssen seitens Außenstehender und behandelte die christ-

lich-religiösen Bräuche mit entschiedener Hochachtung, kurz meine Worte mußten den nationalsozialistischen Herren äußerst unlieb in den Ohren klingen; dazu kam der Neid, weil ihre eigenen Versamm- lungen nur mit äußersten Gewaltmitteln halbvoll zu kriegen waren, während unsere Veranstaltungen stets wegen Überfüllung gesperrt werden mußten, obwohl die Teilnahme daran völlig dem freien Willen vorbehalten blieb. Da ich aber niemals politisch wurde, lag zum Ein- schreiten zunächst kein Grund vor, man intrigierte nach beliebter Art zunächst nur hinten herum, indem man die Zeitungsberichte über unsere Abende entweder kürzte oder ganz verbot und was dergleichen Dinge mehr waren.

Zum offenen Kampf kam es erst über der Aufrollung der Kirchen- frage. Als bekannt geworden war, daß die Nazis die Franziskaner aus Berchtesgaden vertreiben wollten, wandte sich die Bevölkerung an Gotthard Brandner mit der Bitte, mit Hilfe der Weihnachtsschützen diesen Plan zu vereiteln. Seinen Bemühungen gelang es zwar nicht, die Wegnahme des Klosters zu verhindern, aber wenigstens, die Fran- ziskaner in Berchtesgaden zu belassen und die Kirche für den Gottes- dienst offen zu halten. Die Patres fanden im Pfarrhof provisorische Unterkunft. Von diesem Moment an wurde Brandner von den Partei- genossen mit ingrimmigem Haß verfolgt. Die Reibereien gingen nicht mehr aus. Ein weiterer Streit war die Abhaltung des Kirchenzuges beim Schützenjahrtag im Juli und das Fronleichnamsschießen. Letz- teres wurde gewöhnlich zuerst vom Landrat genehmigt und einige Stunden vorher von der Partei verboten. Dagegen gelang es nicht, den alljährlichen Kirchenzug zu hintertreiben. Zwar die Vertreter der Par- tei, die der Form halber stets zur weltlichen Feier eingeladen wurden, schnitten uns beharrlich, nur der damalige Landrat Froschmaier, ein Gönner der Weihnachtsschützen, ließ es sich nicht nehmen, jedesmal am Schloßplatz eine Rede zu halten und den langjährigen Vereinsmit- gliedern die Silberne Medaille zu überreichen. Sein Eintreten-für uns mußte er mit seiner Strafversetzung nach München im Oktober 1941 büßen.