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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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das Verdienst ihres Führers Gotthard Brandner, der stets das Richtige wollte, dem es mitunter nur an der nötigen Menschenkenntnis und geistigen Selbständigkeit gebrach, um alles in das entsprechende Fahr- wasser zu lenken. Ich lernte ihn im Laufe der Zeit als eine typische Jüngernatur kennen, mit Temperament und echter Leidenschaft be- gabt, uneigennützig bis zum äußersten und voll Verlangen, einem Führer, der ihm vertrauenerweckend schien, bedingungslos zu folgen. Ich weiß nicht, was ihn dazu getrieben hatte, gerade in mir die ge- eignete Persönlichkeit zu erblicken, ich spürte jedoch in kürzester Frist eine so schrankenlose Bereitschaft, daß ich mich ihr nicht ent- ziehen konnte. So übernahm ich denn auch mit vollem Bewußtsein meiner Verantwortung die mir übertragene Aufgabe und bei der mir eigenen kampromißlosen Konsequenz tat ich das, was ich für das einzig Richtige in jedem Falle hielt.

Zunächst versuchte ich, die praktischen Bestrebungen des Vereins gei- stig zu unterbauen und ihm dadurch ein klares eindeutiges Gepräge zu verleihen. Dies alles war zunächst völlig unpolitisch gedacht. Ich ließ vom Photögraphen Schmid Farbphotos zum Berchtesgadener Brauchtum verfertigen, die ich für aufklärende Vorträge zu verwen- den gedachte. Dann begann ich mit der Herausgabe einer Schriften- reihe, die die gesamte Sachvolkskunde des Berchtesgadener Landes behandeln sollte. Das meiste bearbeitete ich selbst; wo mir die nötigen Spezialkenntnisse mangelten, wie_etwa auf dem Gebiet des Hausbaues und der Tracht gewann ich wissenschaftlich erstklassige Mitarbeiter aus den Reihen der namhaftesten deutschen Volkstums-Forscher.

Die gänzlich unpolitische Ausrichtung wirkte sich aber insofern doch politisch aus, als wir allen Beeinflussungen und Einschränkungsver- suchen der Nazis einen stillen Widerstand entgegensetzten und so, wie es ja bei den Totalitätsansprüchen der Partei nur natürlich war, not- gedrungen mehr und mehr in ein gegnerisches Fahrwasser gerieten und geraten mußten. Die Grundhaltung meiner Vorträge, ja überhaupt den ganzen Ton, in dem ich zu sprechen pflegte, mußten die Nazis als ihnen wesensfremd und damit als feindlich betrachten; ich forderte

immer wieder zur Bewahrung der alten Tradition auf, warnte vor

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