DRITTES KAPITEL
Der Mensch entgeht seinem Schicksal nicht, das ist eine alte Wahrheit. Trotz aller Versuche meinerseits, mich durch eine möglichst zurückge- zogene Lebensweise aus dramatischen Situationen, die zu mir so wenig passen wie die Faust aufs Auge, herauszuhalten, nahmen, da die Götter wohl anderes mit mir beschlossen hatten, die Ereignisse eine zwangs- läufige Entwicklung. 2 Im Sommer des Jahres 1941 trat der Vorstand der Berchtesgadener Weihnachtsschützen, Gotthard Brandner, an mich heran, mit der Bitte, dem Verein beizutreten und das bereits erwähnte Buch über das Berchtesgadener Brauchtum zu verfassen. Ich folgte dieser Auffor- derung, ohne zu ahnen, daß damit ein Steinchen ins Rollen käme, das später eine Lawine auslösen würde. Was mich an der Sache zunächst anzog, war, daß der Verein unter der Leitung Brandners durchaus er- freuliche Grundtendenzen zeigte und es ihm: nur an einer geschickten geistigen Führung gebrach, um das für recht Erkannte auch praktisch durchzusetzen. Weit über seine ursprüngliche Zielsetzung, die ver- schiedenen kirchlichen Feste durch Böllerschüsse ländlich-festlich zu verherrlichen, hatte er allmählich die Pflege des gesamten heimat- lichen Brauchtums, die Erhaltung der Tracht und die alten überliefer- ten Lebensformen übernommen. Im wohltuenden Gegensatze zu ähn- lichen Vereinen, die sich mehr als gut mit der Fremdenindustrie ver- brüderten, fanden sich bei den Weihnachtsschützen diejenigen bäuer- lichen Menschen zusammen, die etwas auf sich hielten und es ver- schmähten, sich den Fremden für Geld an den Hals zu werfen, sondern mit durchaus guter Witterung allen derartigen Versuchen gegenüber äußerste Reserviertheit bezeugten und nur das wirklich Echte und
Gesunde in ihren Reihen duldeten. Es war dies wohl in erster Linie
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