„Hart am Tod geht’s auch einmal vorbei mit Ihnen, oder es ist schon
gegangen, das haben’s vielleicht gar nicht gemerkt! Übrigens, Geld genug haben Sie auch und wenn Sie kein Gelehrter wären, dann wür- den Sie auch ein geschickter Geschäftsmann sein. Aber innerlich ist Ihnen das Geld gleichgültig und weil die Leut’ das wissen, werden Sie fest ausgenutzt, denn die Menschen sagen: Der hat so genug und wenn man’s ihm wegnimmt, dann ist’s ja nicht gestohlen!“
In dieser ungezwungenen Art sprach Meinzel noch eine Weile weiter, das Wichtigste davon habe ich nun verraten. Was die Vergangenheit betraf, wunderte ich mich schon damals sehr über die Richtigkeit seiner Aussagen. Daher begannen mich auch seine Prognosen für die Zukunft ernsthaft zu beschäftigen. Wie wahr sie sich erweisen sollten, das konnte ich damals nicht ahnen! Anschließend an die.‚Konsul- tation“ lud er uns zum Tee ein und im Laufe der Unterhaltung ge- wann ich den Eindruck eines sehr lebhaften, klugen und aufgeschlosse- nen Mannes. Wiederum konnte ich nicht wissen, unter welch merk- würdigen Begleitumständen unsere zweite Begegnung stattfinden sollte.
Um nicht falsch verstanden zu werden, ist es vielleicht am Platze, hier meine prinzipielle Einstellung zu derartigen Phainomenen mit wenigen Worten darzulegen. Als Anhänger der Schopenhauerischen Erkenntnistheorie, derzufolge, Raum, Zeit und Kausalität nicht den Dingen selbst zugehören, sondern nur die Vorstellungsformen sind, in denen wir sie erkennen, halte ich es für grundsätzlich möglich, daß es Menschen gibt, die empfindsameren Geistes sind als der Durch- schnitt, und für die Raum und Zeit nicht die unüberwindbaren Schran- ken sind wie für andere, denen sozusagen der Schleier der Maya in größerem oder geringerem Grade transparent wird. In der Praxis ist natürlich größte Vorsicht geboten. Denn solche Menschen sind selbst- verständlich stets hervorragende Psychologen, und vieles erklärt sich auf ganz natürlichem Wege. Daß mir etwa Herr Meinzel meine geistigen Neigungen am Gesichte ablas und zugleich auch meine Unbefriedigt- heit erkannte, ist durchaus möglich und seine diesbezüglichen Aussagen
werden von hier aus gesehen viel leichter verständlich. Auch meine
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