weniger an sich, als infolge ihrer besonderen Bedeutung im Hinblick auf meine Person und meine künftigen Schicksale.
Auf einer Fahrt vom Bayrischen Wald nach Berchtesgaden im Septem- ber 1943 erzählte mir Felicie, sie kenne in Mühldorf einen Handleser und Hellseher namens Meinzel, einen einfacheren aber intelligenten Mann, seines Zeichens ein Schuster, der ihr schon manche seltsame Dinge gesagt und auf den sie große Stücke hielte. Da mich solche Leute stets interessieren, machte ich den Vorschlag, unseren dreistün- digen Aufenthalt in Mühldorf zum Besuch dieses Mannes zu benützen, bat jedoch Felicie, sie möchte ihm zuvor keinerlei Andeutungen über meine Person machen. Als ich nach kurzer Begrüßung, bei welcher Meinzel nicht einmal meinen Namen erfuhr, die Bitte äußerte, er möge auch mir aus der Hand Charakter und Schicksale offenbaren, da führte er mich in ein kleines Kabinett, besah meine rechte Hand lange mit der Lupe und sagte als erstes:„Sie sind schon einmal bestohlen worden, aber nicht materiell, sondern geistig. Man hat Sie gewisser- maßen um eine geistige Lebensarbeit gebracht; aber es ist ja alles da, nur noch nicht richtig anerkannt, doch trösten Sie sich, Sie kommen schon wieder hinauf. Sie müssen sogar noch einmal Deutschland dem Ausland gegenüber vertreten.“ Über seine ersten Sätze war ich damals äußerst überrascht, denn er hatte damit, wenn ich an mein Wiener Museum und die Dozentur dachte, tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Über den Schluß seiner Rede mußte ich indessen nur lachen, so etwas käme gewiß nicht in Frage, da ich mich für Politik absolut nicht interessiere. Er aber bestand absolut auf seiner Ansicht:„Da können’s gar nichts dagegen machen, ob Sie wollen oder nicht, Sie werden gar nicht erst gefragt.“ Im weiteren Verlauf der Unterhaltung fragte er:„Irgendwas haben’s vor Ihrem Namen, sind’s vielleicht ein Doktor?“ Ich bestätigte seine Vermutung und teilte ihm nur einiges über meinen Beruf mit. Meinzel fuhr in seiner Diagnose fort.„Einmal sind Sie mit einer Person ganz nah’ verbunden gewesen, so nah’ wie ich’s noch nie g’sehen hab’. Die ist aber jetzt schon tot, vielleicht seit fünf oder sechs Jahren. Der letzte Gedanke der Verstorbenen waren
sicher Sie und irgendwie ist sie auch noch um Sie herum.“


