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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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wegen des volkskundlichen Sammlers, sondern auch wegen des Kom- ponisten gekommen sei, dessen Opern ich seit langem besonders schätzte und aus wiederholten Aufführungen auch gründlich kenne, wenngleich ich sonst ein musikalischer Laie sei. Strauß zeigte mir daraufhin auch sämtliche Trophäen und Ehrengeschenke und anläßlich einer Bemer-

kung meinerseits, daß ich ihn wenige Tage zuvor in der Münchener Oper, gelegentlich einer Aufführung der Daphne, von der Galerie aus im Balkon hätte sitzen sehen, gewann die Unterhaltung im steigenden Maße persönliche Färbung. Als wir zuletzt das Schreibzimmer seiner Frau betraten, bewegte sich die Konversation schon ganz in ziemlich zwanglosen Bahnen, und da er merkte, daß mich seine kritische Frau mit sichtlichkem Wohlwollen behandelte, wurde der Ton noch kamerad- schaftlicher. Die gefürchtete Pauline zeigte sich mir gegenüber von ihrer liebenswürdigsten Seite und als sie aus einigen Andeutungen entnahm, daß ich alles andere eher wie ein Nazi sei, fielen sämtliche Schranken der Zurückhaltung.

Seit jenem denkwürdigen ersten Besuch sind meine guten Beziehungen zum Haus Strauß nicht mehr erloschen. Ich besuchte ihn jedesmal, so oft ich nach Garmisch kam, er lud mich ein zur Neueinstudierung seiner OperDie Frau ohne Schatten im November 1943 in Wien, wo ich von, seinem Sohn in die Villa am Belvedere zu Tisch geladen wurde, und auch während und nach meiner Inhaftierung hat sich der Meister wiederholt durch Bekannte teilnehmend nach mir erkundigt. Für mich aber bedeutet es eine große Ehre und Freude, den Schöpfer der von mir am häufigsten besuchten Opern, die mir stets wieder Quelle tiefster seelischer Befriedigung und echter Glücksgefühle sind, auch persönlich zu kennen und mich von seiner Seite mit Wohlwollen betrachtet zu wissen.

Anders dagegen verlief meine Begegnung mit Hans Pfitzner. Ob- wohl ich seinem Werk vielleicht noch mehr verbunden bin, so fand ich zu dem Menschen leider nicht den erhofften inneren Kon- takt. i

Ich möchte aber dieses Kapitel nicht schließen, ohne noch eine andere

relativ wichtige Begegnung jener Jahre zu erwähnen, wichtig allerdings

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