Welt zu Grabe zu tragen berufen wären, sondern, daß endlich wieder eine Jugend heranwüchse, der es um die Schaffung echter geistiger Werte ginge, denen wir manche Hilfe und Stütze zu bieten in der Zukunft in der Lage sein würden. Ich hörte, daß die jungen Leute in ihrem Kreis politische, künstlerische und religiöse Interessen pflegten, daß sie sich mit führenden Männern auf diesen Gebieten in Verbin- dung gesetzt, wobei ihnen sogar recht bedeutende Leute, wie der Jesuitenpater Waldmann und andere Vorträge gehalten hatten; alles natürlich ganz im Geheimen, im allerengsten Zirkel.
Auch äußerlich wollten sie ihre Gesinnung nicht verleugnen, hatten lebhafte Kontroversen mit HJ.-Führern gehabt, sich offiziell an der Landshuter Fronleichnamsprozession beteiligt, wobei sie ein großes Kruzifix demonstrativ mitgetragen hatten. Diese Tat habe ihnen sogar acht Tage Jugendgefängnis eingetragen.
Ich war von der jugendlichen Unternehmungslust der jungen Leute stark beeindruckt und versprach dem Lenz allerhand Literatur, die zu kennen ich für ihn wichtig hielt, zu schicken. Werke von Hesse, Wiechert, Jünger, Wildgans und die kulturphilosophischen Betrach- tungen Huizingas, sowie meine eigenen Werke traten bald den Weg
von Berchtesgaden nach Landshut an. Auch lud ich Lenz vor seiner
bevorstehenden Einberufung zum Militär zu mir nach Berchtesgaden
ein.
Sein erster Besuch war ein voller Erfolg; die Situation war günstig, da gerade Paula Riezler und der Komponist Otto Siegl bei mir zu Besuch weilten, woraus sich für Lenz gewissermaßen eine konzentrierte geistige Anregung ergab, die ihm vielleicht den entscheidenden Auf- trieb gab, den in Landshut begonnenen aber mehr geahnten als klar gewußten Weg mit voller Sicherheit weiter zu verfolgen. Er mußte dann bald in den Krieg ziehen, das Kriegserlebnis hat ihn bis tief in die Wurzel seiner geistigen Existenz ergriffen und tüchtig geschüttelt, aber eine gewisse Grundlinie hat er doch niemals verloren. Während seiner Urlaube hat er mich stets besucht und bei seinen mehrmonat- lichen Offizier-Ausbildungskursen in Wien die Verbindung mit meinen
dortigen Freunden aufgenommen. Das Gefühl, daß ich an der geisti-
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