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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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für ihre religiöse Haltung so charakteristisch, daß ich ihn bei ihrer Einäscherung gewissermaßen als geistiges Vermächtnis vorlas.

Der Ölberg aber wird für mich durch die Tatsache, daß sie dort lebte, und starb, immer seine besondere, ich möchte beinahe sagen geheiligte Bedeutung behalten. Noch ist ihre Asche nicht beigesetzt, ich will sie unter einem unbehauenen Steinkreuz bestatten, am Waldrand hinter der Blockhütte. Auf diese Weise erhalte ich ihr Gedächtnis lebendig; sie bleibt in dem Kreis der Lebenden eingeschlossen und so wie einst die alten Römer die Geister ihrer toten Vorfahren als wohlgesinnte Manen oder Penaten verehrten, so will auch ich es halten und ihre dauernde Anwesenheit soll meinem Refugium eine höhere mit freund- lichem Ernst gepaarte Weihe verleihen!

Weil sie in einem gewissen äußeren Zusammenhang mit meinen häufi- gen Ölbergfahrten steht, will ich nun über die Festigung einer sehr alten Bekanntschaft sprechen, die ich in jener Zeit wiederum neu anknüpfte. Ich pflegte damals meine Reisen, die ich, da ich während des Krieges über kein Auto mehr verfügte mit der Bahn machte, gerne in dem kleinen niederbayrischen Markt Gangkofen zu unterbrechen, wo- hin sich meine einstige Kinderfrau, Therese Rettenbeck, verheiratet hatte. An Pfingsten 1942 hatte es sich so gefügt, daß ich ihren zweit- jüngsten Sohn Lenz-kennen lernte, der damals die Oberklasse des Landshuter Gymnasiums besuchte. Mir fiel gleich am ersten Abend, während wir einen Spaziergang hinaus nach Heiligenbrunn zu dem mir aus meiner volkskundlichen Sammlerzeit her bekannten Einsiedler machten, die überdurchschnittliche Intelligenz dieses Jungen auf.

Den äußeren Anstoß zum Beginn einer Freundschaft, die sich damals zu entwickeln begann, gab, wenn ich es recht bedenke, die hohe Politik. Lenz erzählte mir damals, wie er in Landshut eine kleine Gruppe gleichgesinnter Schulkameraden um sich geschart habe, wie sie im ständigen Kampfe gegen die HJ. bemüht seien, sich eine selb- ständige geistige Position zu schaffen. Was er mir im einzelnen dar- über berichtete, interessierte mich nicht nur vom Sachlichen her ganz außerordentlich, sondern gab mir auch persönlich Zuversicht und neuen

Mut, sah ich doch, daß ich und meinesgleichen nicht nur eine sterbende

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