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einige Monate vorher eine weitere Devisenzuteilung abgelehnt und so war ich gezwungen, bereits mit dem Ende des Wintersemesters, Ende Februar, meine Wiener Wohnung aufzugeben und mich für unbestimmte Dauer von der Universität beurlauben zu lassen. Nach einem sieben- jährigen Aufenthalt in Wien, der mir nur Schönes gebracht hatte, mußte ich wiederum nach Berchtesgaden zurückkehren. Diese Tatsache betrübte mich aber aus verschiedenen Ursachen nicht allzusehr. Ich war nach dem Tode meiner Mutter ohnedies genötigt, mich mehr als früher um das ererbte Geschäft zu bekümmern, und nahm mir vor, die Jahre des erzwungenen wissenschaftlichen Brachliegens zu benützen, um mich in die Leitung des Brauereibetriebes einzuarbeiten, was für mich ja nur von Nutzen sein konnte. So kam es, daß ich die Tage des nationalsozialistischen Umbruches in Wien nicht persönlich miterlebte und erst später gelegentlich eines Besuches dessen verheerende Auswirkungen beobachten konnte. In- zwischen war mir, wie nicht anders zu erwarten, die Venia Legendi an der Universität entzogen worden, vermutlich aus dem einzigen Grunde, weil man bei mir eine zu nahe Bindung an die verflossenen Machthaber vermutete, besonders meine Beziehungen zu Kardinal Innitzer hatten mich in den Augen der neuen Bonzen verdächtig ge- macht. Ich erhob Einspruch und setzte es durch, daß mir ein Jahr später die Dozentur wieder zugesprochen wurde, jedoch mit der Ein- schränkung, daß ich mich der Behandlung aller religiösen Themen ent- halten solle. Ich zog es unter diesen Umständen vor, von der gnädig erteilten Erlaubnis keinen Gebrauch zu machen, da mir eine freie wissenschaftliche Arbeitsweise doch nicht gewährleistet schien. Die nominelle Weiterführung der Dozentur hielt ich deshalb erstrebens- wert, weil ich die Absicht hatte, sofort nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches meine akademische Tätigkeit wieder aufzunehmen. Der Abschied von Wien fiel mir angesichts der veränderten Zustände nicht sehr schwer. Die meisten meiner Bekannten waren in alle Winde zerstreut, mein gewohntes Heim bei der Henne aufgelöst, da man sie als Jüdin sofort aus der Wohnung hinauswarf und sie schließlich nach
allerlei Schikanen im Jahr 1940 nach Litzmannstadt in Polen depor-
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