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Im Zeichen des Ungeistes / Rudolf Kriss
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Die alte Zeit wollte nun endlich versinken! Für mich wurde ihr Unter- gang symbolhaft überhöht, durch ein Ereignis, das ich als den schwer- sten Schlag empfand, der mich bisher im Leben getroffen hatte, das mir jedoch zugleich als ein sinnvolles Walten der Vorsehung erschien. Er war der Tod meiner Mutter am 11. März 1937. Äußerlich hätte man ihn als ein blindes Walten des Zufalls betrachten können. Eine harm- lose Injektion, vom Arzt aus einer ungenügend gereinigten Spritze verabfolgt, verursachte eine akute Sepsis, welche nach zwei Tagen das Ende herbeiführte. Ich hielt mich damals gerade in Wien'auf, wurde telefonisch herbeigerufen und traf meine Mutter noch bei vollem Be- wußtsein an.

Als ich morgens gegen einhalb sechs Uhr im Reichenhaller Kranken- haus an ihr Lager trat, erwachte sie aus einem halb apathischen Zu- stande nochmals für ein paar Minuten zu voller Klarheit. Mein An- blick schien ihr eine letzte große Freude zu bereiten. Ich umarmte sie, nochmals umfing mich ihr Blick mit unendlicher Güte, dann begannen die Augen langsam zu verglasen, der Atem wurde immer kürzer und drei Stunden später war alles vorüber. Es wurde sehr still im Gemach, die Morgensonne schien hell und leuchtend durch die Fenster und vor ihren Strahlen verblaßte die-Flamme der beiden Kerzen, die die Schwestern am Fußende des Bettes entzündet hatten. Der neue Tag sog ihr schwaches Licht auf, es blieb kaum mehr zurück als ein wesen- loser Schimmer; der Tod war überwunden! Ich öffnete die Türe zur Altane, und setzte mich hinaus in die heiße Märzensonne. Die Fels- wände des Predigtstuhls mir gegenüber ragten steil und wuchtig empor und schnitten in scharfkantiger Silhouette in den klaren seidig- blauen Föhnhimmel. Nach dem wilden Schmerz der Todeserwartung erfüllte mich eine vollkommene Ruhe. Ich spürte die Verwandlung, die sich in mir vollzog, während die leuchtende Frühjahrssonne am Firmament höher und höher emporstieg. Wieder einmal geschah mir eine echte Geburt, eine Neugeburt, in der ein Teil des Wesens meiner Mutter in mich übergegangen sein mochte und das mir nun tiefer zu eigen wurde als jemals zuvor.

Einen Tag später nahm ich von meiner Mutter, ihrer Körperlichkeitg