die Blauen!" ,, Bäh, die Roten !" das wird zu Kampfrufen und verursacht Zank und Streit, wo harmlose Fröhlichkeit ihre Stätte haben sollte und auch haben würde, wenn man der Schule nur die eigentliche Aufgabe der Schule zugewiesen hätte.
Die künstlich in die Erziehung der Kinder hineingetragenen Gegensätze lassen sich bei den meisten Menschen im ganzen Leben nicht mehr überbrücken. Der Schwarze betrachtet den Blauen als minderwertig, und der Blaue den Schwarzen; beide sehen in dem Roten ihren Feind, und dieser reagiert darauf, indem er seine übelsten Seiten gegen Schwarze und Blaue herauskehrt. Ein wirklicher Grund dazu liegt nicht vor; alle haben das eigentliche Dasein gemeinsam; sie schaffen gemeinsam und unter den gleichen Bedingungen in Fabrik und Werkstatt, im Kaufhaus und im Büro; sie haben gemeinsam die gleichen Bedürfnisse an Nahrung und Kleidung, wie auch an Unterhaltung und Vergnügen; nichts trennt sie in der Ausbildung für ihren Beruf, nichts steht zwischen ihrer Auffassung der Dienst- und Arbeitsverhältnisse; nichts unterscheidet sie in ihren Fähigkeiten, in ihren Erwartungen, Wünschen und Aussichten in diesem irdischen Leben; nur über das, was nach diesem Leben sein wird, haben sie verschiedene Meinungen.
Was nach diesem Leben sein wird, das weiß niemand; wir alle können darüber nur glauben und hoffen. Ist es wirklich so schwer, das anzuerkennen? Das Leben auf der Erde würde von so vielem Unangenehmen, Unschönen und vielfach Häßlichen frei, wenn man es jedem Menschen selbst überließe, sein Verhältnis zu dem Leben nach dem Tode nach seinem Glauben zu gestalten, aber auch anerkennen würde, daß wir alle dabei auf den Glauben angewiesen sind und niemand den Beweis erbringen kann, sein Glaube sei allein richtig.
Schon in der Schule wurde der Grund dazu gelegt, daß man selbst die Anerkennung guter Eigenschaften bei dem Andersdenkenden mit dem Zusatz versieht: ,, Schade, daß der Mensch
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