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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Als ich mich zur Herausgabe meiner ,, Ketzergedanken" entschloß, da übersah ich noch nicht, in welchem Umfange das Werden der Demokratie in Deutschland behindert sein würde, wie weitverbreitet und tiefwurzelnd noch die Denkart ist, die auch früher schon der Entwicklung zur Demokratie im Wege stand, und die zum Nationalsozialismus führte.

Die Widerlegung Hitlerscher Theorien und Methoden ist fast nebensächlich geworden angesichts der Argumente, die von neu zur Demokratie Bekehrten für ihren Kampf gegen den Nationalsozialismus vorgetragen werden.

Mit Schimpfkanonaden auf die Zustände in der Republik und den Versailler Vertrag leitet man nur Wasser auf die Mühlen der Nazis, und mit Hilferufen an unsere ehemaligen Feinde verstärkt man nur den leider ohnehin die Massen be­herrschenden Irrtum, es sei böser Wille, was als Folgen des Krieges so bitterböse in Erscheinung tritt.

Und mit Jammern über die Gottlosigkeit baut man die Scheidewände wieder auf, die in der gemeinsamen Not ihre Bedeutung bereits verloren hatten, die aber dem gemeinsamen Aufbau lebensgefährlich im Wege stehen würden.

Ich wiederhole und unterstreiche einzelne Ketzergedanken; nicht, weil ich glaube, das Allheilmittel entdeckt zu haben, sondern weil ich mich verpflichtet fühle, nach bestem Können meinen Anteil beizutragen zum Aufräumen von Schutt mit dem Werkzeug, das ich noch zu handhaben vermag.

Krefeld , im Mai 1946.

Josef Radermacher.