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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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In den Familien wuchsen Kinder und Enkel heran, die wieder Familien gründeten; die Familie entwickelte sich zum Stamm; es blieb der Stammesälteste der natürliche Gebieter, immer jedoch auf Grund seiner Erfahrung und mit der Pflicht. der Sorge für seine Sippe.

Der Raum wurde enger; es drängten sich viele Stämme in enger gewordenen Raum; es entstand Streit um die besten Weideplätze, den besten Ackerboden; es schlossen sich be­freundete Stämme zu Stammesverbänden zusammen, sei es, ihr Gebiet zu verteidigen oder andere Stämme aus deren Ge­biet zu vertreiben. Es muste aber zur gleichen Zeit auch die Arbeit geleistet werden, die zur Beschaffung von Nahrung, Wohnung und Kleidung diente. Da richteten die Menschen eine vernünftige Arbeitsteilung ein. Die Arbeitenden brauchten ständigen Schutz gegen räuberische Ueberfälle. Ein Teil der Stammesgenossen wurde zu diesem Schutz bestimmt. Sie wurden mit Waffen ausgerüstet, im Gebrauch der Waffen be­sonders geübt und mit Reittieren versehen. Ihr Anführer, der vor ihnen her zog, wurde Herzog.

Natürlich mußten die andern für sie mitarbeiten, mußten ihnen geben, was sie zu ihrem Unterhalt brauchten.

Damit einen Standesunterschied zu schaffen, lag diesen Menschen fern; sie waren doch Brüder und Vettern, bluts- oder stammverwandt, die Reiter mit den Bauern.

Die Kämpfe um den Lebensraum wurden ernster und häufiger; damit stieg die Bedeutung der zum Schutz bestellten Reiter. Die Bauern waren auf sie angewiesen. Im Besitz dieser Waffen hatten die Reiter Macht über die Bauern erlangt, und sie nützten diese Macht aus. Was ihnen einmal als natürliche Gegenleistung für ihren Wachtdienst bewilligt worden war, das nahmen sie nun als Recht; der Herzog riß den Befehl über den Stamm oder Stammesverband an sich. Die Reiter entwickelten sich zu Rittern, das Stammesgebiet zum Herzogtum.

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