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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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was wir ,, ererbt von unsern Vätern" haben, sondern um den Sinn wiederherzustellen, in dem unsere Väter Rechtsunterlagen schufen für ihre Zeit. Vernünftig auswählen wollen wir, was noch brauchbar ist für Gegenwart und Zukunft, aber ohne jede andere Bindung, als die vernünftige Frage nach der Brauch­

barkeit.

Im großen ganzen dürfen wir sagen, daß unsere Vergangen­heit uns, wenig Anlaß gibt, an ihren Methoden festzuhalten; das Ergebnis unserer ganzen Vergangenheit ist Ruin. Was in den Ruin hineingeführt hat, ist wenig empfehlenswert, wieder daraus hinauszukommen.

Der ganze Volkskörper ist krank; er hat nicht vermocht, das Gift des Nationalsozialismus ohne fremde Hilfe auszu scheiden. Das ist nicht der beste Arzt, der fürchtet, dem Patienten wehzutun. Voraussetzung für die Heilung ist, daß die Fäulnisstellen freigelegt und restlos bereinigt werden. So hilft auch dem kranken Volke kein Drumherumreden, keine Rücksichtnahme auf alte, irrige Anschauungen. Gewissenhafte Kritik muß alle treffen, die in der Vergangenheit Einfluß auf Niemand kann die Entwicklung zum Ruin gehabt haben.

sagen: es war richtig, was ich getan habe! Das Ergebnis von allem ist Ruin; alle, die daran mitgewirkt haben, müssen sich der Kritik unterstellen, müssen umlernen und neue Wege gehen, neue Mittel anwenden.

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Als noch Platz genug auf der Erde war, da lebten die Men­schen in natürlicher Gesellschaftsform, in der Familie zusam­men. Sie brauchten noch keine geschriebenen Gesetze, konnten solche weder schreiben noch lesen. Der Gesetzgeber war der Vater. Er war dies nicht in Befolgung eines Gesetzes, sondern in seiner Eigenschaft als Ernährer der Familie, als derjenige, dem sowohl der Schutz der Seinen wie auch die Sorge um ihr Wohl oblag. Es war ganz selbstverständlich, daß für die seiner Sorge Anvertrauten auch sein Wille maßgebend war.

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