Mitte Februar 1940 war die Seuche erloschen, die Kontumaz wurde gelockert und verschiedene Anzeichen berechtigten zu der Hoffnung, daß unsere Tage in Flossenbürg gezählt seien. Damals wurden wir zum erstenmal gebadet. Dieses Ereignis war für den Lagerbetrieb so charakteristisch, daß es einer kurzen Schilderung wert ist.
Das Kommando über das Bad führte der berüchtigte Lagerälteste persönlich, unterstützt von einigen seiner Komplicen. Wir hatten in Gruppen zu 25 bis 30 Mann anzutreten und uns in einem eisigen Vor- raum zu entkleiden. Dann betraten wir ohne Seife und Handtuch den Baderaum. Der Lagerälteste kommandierte zunächst einige Male„Hin- legen! Auf! Hinlegen!“ und achtete darauf, daß wir uns mit vollem Schwung auf die Steinfließen warfen. Dann wurden für wenige Minu- wen die Brausen aufgedreht. Während sich dies im Baderaum abspielte, stürzten sich die Komplicen des Lagerältesten im Vorraum auf unsere Kleider, warfen sie durcheinander und raubten alle kleinen Habselig- keiten, die der eine oder der andere in den Taschen hatte. Nun wurden wir triefnaß in den Vorraum zurückgejagt und mußten unter Püffen und Schlägen binnen fünf Minuten geräumt haben. Keiner fand in der Eile unter den durchwühlten Sachen seine Kleider und Wäschestücke, keiner hatte Zeit, sich anzukleiden. In Hemd und Unterhosen, mit rasch zusammengerafften Kleidern in der Hand, mußten wir bei schneidendem Frost in die Baracke zurückmarschieren. So wurde in Flossenbürg gebadet. i Ende Februar ging es noch einmal in den Steinbruch. Der Schnee lag einen Meter hoch, alle die Granittrümmer, Risse und Löcher waren einförmig zugeweht, ein unvorsichtiger Schritt genügte, um bis zu den Hüften einzusinken oder gefährlich auszugleiten. Wieder blieben wir vem Morgen bis zur Abenddämmerung an der Schaufel, wieder waren wir durchnäßt und durchfroren, wieder gab es Verletzungen die Menge, aber wir waren guter Dinge, denn wir wußten daß die Stunde des Ab- schieds aus der Hölle geschlagen hat.
Am ı. März 1940 rückten wir aus Flossenbürg ab. Die Zusammen- arbeit der SS mit einer Gruppe dienstwilliger„Grüner “ erreichte an diesem Morgen ihren Höhepunkt. Wir hatten blockweise aus dem Lager auf den Bahnhof zu marschieren. Vorher wurden wir aber in eine halbfertige Baracke geführt, dort unter den Augen der beifällig lachenden SS überfallsartig von„Grünen“ splitternackt ausgezogen, nach unerlaubten Gegenständen, insbesondere Notizblättern, durch-
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