Derselbe Sterzer, ein kleiner, 55 bis 60 Jahre alter Mann mit typischem Verbrechergesicht, war erklärter Günstling und Vertrauensmann der SS und kommandierte Arbeiterpartien zur Aushebung von Kiesgruben, Anlage von Kanalschächten und zu ähnlichen Arbeiten. Die Einteilung zu seinem Kommando konnte nicht selten ein Todesurteil oder die Verurteilung zu einer schweren Körperverletzung bedeuten. Häftlinge, die man ohne amtliche Formalitäten beseitigen wollte, wurden einfach ,, dem Sterzer" überantwortet. Dieser erschien mit einem festen Knüppel, einer alten Schaufel oder einem ähnlichen Gerät auf dem Arbeitsplatz und schlug je nach Laune und Auftrag auf seine Mitgefangenen los. Viele wurden so getötet, viele wurden invalid. Zeitweise ereigneten sich solche Exekutionen täglich, bis Sterzer plötzlich und ohne erkennbare Ursache in Ungnade fiel. Er wurde vom politischen Gefangenen zum Berufsverbrecher umgefärbt, in das Lager Mauthausen versetzt und dort von Mithäftlingen erschlagen.
Capo Sock, ein junger Mann von anrüchiger Herkunft, gehörte in die gleiche Kategorie wie Sterzer, mit dem Unterschied, daß er intelligenter, raffinierter und bestechlich war. Gegen die Leistung von ungefähr fünf Reichsmark wöchentlich konnte man sich wenigstens von gröbsten Mißhandlungen loskaufen. Capo Sock war der berüchtigste Judenschinder; wenn sein Kommando vom Arbeitsplatz einrückte, wurden fast immer zwei bis drei zusammengeschlagene Juden im Schubkarren der Kolonne nachgeführt. Als er, aus dem Lager entlassen wurde, bekam er von der SS zum Dank für seine treuen Henkerdienste einen schönen, neuen Zivilanzug geschenkt.
Ein anderer berüchtigter Judenschinder, Capo Knoll, wurde von einem amerikanischen Gericht zum Tode verurteilt und in Dachau hingerichtet.
Wie viele Gefangene lediglich infolge der barbarischen Arbeitsmethoden im Lager den Tod gefunden haben oder invalid geworden sind, wird nie festzustellen sein. Die amtliche Sterbestatistik war gefälscht, sie würde daher, auch wenn sie noch vorhanden wäre, nur ungenaue Schlüsse gestatten. Ich glaube aber, daß man nicht viele Aufzeichnungen finden wird. Schon Ende 1943, als die Prügelstrafe erheblich eingeschränkt wurde, hat man Strafakten aus früheren Jahren haufenweise verbrannt. Es ist daher anzunehmen, daß in den letzten Wochen
43


