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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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gezogen wurden, immer im Laufschritt. Auch leere Schubkarren muß­ten im Laufschritt geschoben werden, volle hoch über den Rand be­laden sein. Bei Schaufelarbeiten mußten die Schaufeln übervoll ge­nommen werden, bei einem Arbeitstempo, das selbst junge, geübte Erdarbeiter nicht lange durchhalten konnten. Atempausen waren ver­pönt, nur bei größter Hitze wurde in Gießkannen Trinkwasser gereicht. Von den österreichischen Gefangenen, die 1938 eingeliefert wurden, hatte nach ein bis zwei Wochen fast jeder seine größeren oder kleineren Verletzungen weg, blutig aufgeschundene Hände, Kontusionen, Wunden an den Füßen infolge schlechter Beschuhung und dergleichen mehr. Im Lagerbereich gab es weder Lastkraftwagen noch Pferdefuhrwerk, der Fuhrendienst wurde ausschließlich durch Menschenzug besorgt. Für diesen Zweck dienten alte, ausrangierte Anhängerwagen, die mit einer primitiven Deichsel und mit Zugseilen rechts und links ausgestattet waren. In der Lagersprache nannte man diese Fuhrwerke ,, Moor­Expreß". Die Degradierung des Menschen zum Arbeitstier kam hier kraß zum Ausdruck, obwohl die Arbeit an sich leichter war als bei manchen anderen Gruppen. Die zwölf oder vierzehn Gefangenen, die, in ihre Zugseile eingespannt, mit krummem Rücken alle erdenklichen Lasten zogen, boten ein trauriges, menschenunwürdiges Bild.

Zu Arbeiten, die als Haupt- oder Nebenzweck die Schinderei der Häftlinge hatten, verwendete die SS ausgesucht rohe Gefangene als Capos( Vorarbeiter), mit der Befugnis und oft mit dem strikten Auf­trag, ihre Mithäftlinge zu mißhandeln. Etliche Bestien in Menschen­gestalt haben sich solcher Art jahrelang ausgetobt. Zwei unter ihnen verdienen ein besonderes Blatt der Erinnerung: Capo Sterzer und Capo Sock.

Den Capo Sterzer, eine der gefürchtetsten Figuren im Lager Dachau , konnte man im ,, Lagermuseum" kennenlernen. Das war ein Baracken­raum, wo Photographien von bemerkenswerten Häftlingen, Gips­moulagen, Hilfsgeräte bei Fluchtversuchen und dergleichen ausgestellt waren. Dort hing ein lebensgroßes Kopfbild des Capo Sterzer mit folgender Bezeichnung:

"

Wiederholt vorbestraft wegen Blutschande, Einbruch, Öffentlicher Gewalttätigkeit, Hochverrat.

-

Einer der gefährlichsten

Verbrecher Deutschlands ."

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