sandt wurden und nur monatlich oder fallweise für kurze Zeit ins Lager zurückkamen. Vor dem Kriege aber überwogen weitaus die Erd- und Bauarbeiten zum Aufbau des Häftlingslagers, des Lagers der SS mit allen seinen militärischen Einrichtungen und der ausgedehnten Siedlung für SS- Offiziere und SS - Unteroffiziere. Alle diese Erd- und Bauarbeiten waren ausnahmslos eine Kombination von Nutzarbeit und planmäßiger Häftlingsschinderei.
Die Quälerei der Häftlinge bei den Arbeiten im Freien ergab sich schon daraus, daß sie jahraus jahrein bis zu 14 Stunden im Tag schutzlos allen Witterungsunbilden preisgegeben waren. An den endlosen Dachauer Regentagen im Frühjahr und im Herbst wurden die Gefangenen schon bei Tagesanbruch durch und durch naß und erst abends, wenn sie sich ins Bett legten, wieder trocken. Abmarsch und Rückmarsch vollzogen sich unter den bekannten Schikanen des preußischen Kasernenhofes und unter den dort üblichen, ins Bayrische übersetzten Schimpforgien.
Während des Marsches mußte ununterbrochen gesungen werden, auch wenn die Gefangenen nach zehnstündiger Schwerarbeit todmüde nach Hause wankten. Alle jene dummen und klebrig sentimentalen Lieder, die in der deutschen Wehrmacht so geschätzt waren, mußten gebrüllt nicht gesungen, sondern gebrüllt werden, denn es kam den begleitenden SS- Chargen vor allem auf Lautstärke, auf das ,, Maul aufreißen" an.
-
-
-
Auf dem Arbeitsplatz wurde noch einmal abgezählt, dann erscholl das Kommando: An die Arbeit marsch, marsch!" Im Sturmschritt hatten sich die Häftlinge auf die Werkzeugkisten zu stürzen und das Arbeitsgerät auszufassen, wieder unter einem Orkan von Flüchen und Beschimpfungen. Ein Schwarm von SS - Unteroffizieren verteilte sich dann auf dem Arbeitsplatz, während die Bewachungsmannschaft eine Postenkette rundum bildete. Wollte ein Häftling austreten, so mußte er einen dieser jungen Burschen mit einer genau vorgeschriebenen Formel ,, gehorsamst" um Erlaubnis bitten und dann wieder die Rückkehr gehorsamst" melden.
Arbeitsparende Maschinen gab es nicht, auch große Erdbewegungen mußten mit Schaufel, Pickel und primitiven, einrädrigen Schubkarren bewältigt werden. Nur zeitweilig stand eine alte, kaum mehr brauchbare Feldbahn in Verwendung, deren Wägelchen von Gefangenen
41


