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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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schieden. Manchmal wurden sie nicht viel besser gehalten als die Juden, dann genossen sie wieder kleine Begünstigungen, die man in Kreisen der Häftlinge als Folge einer Intervention des Papstes ansah. Im Jahre 1941 kam die Erlaubnis zum Abhalten von Gottesdiensten. Die Priester der Baracke 26 mußten enger zusammenrücken und der so gewonnene Schlafraum wurde als Kapelle eingerichtet, wo ein Priester immer derselbe frühmorgens die Messe lesen durfte. Den polnischen Priestern und anderen Häftlingen war die Teilnahme am Gottesdienst nicht erlaubt. Die polnischen Priester hatten auch sonst keinerlei Begünstigung, litten sehr unter dem enormen Über­belag der Stuben und wurden zu den schwersten Arbeiten verwendet. Anfangs haben die Priester nicht nur den Terror der SS, sondern auch die feindselige Gesinnung mancher Häftlinge zu spüren be­kommen. Wohl hatte die Gemeinsamkeit des Leidens und Erduldens viele politische und weltanschauliche Gegensätze und Vorurteile unter den Häftlingen ausgeglichen und entgiftet eine Entwicklung, die verheißungsvoll in die Zukunft weist-, aber der Antisemitismus und der Haß gegen die Kirche waren in deutschen Landen auch vor dem Auftreten des Nationalsozialismus von verschiedenen Seiten her so lange und so demagogisch wirksam propagiert worden, daß sie auch im Lager fühlbar wurden und so paradox es klingen mag - an einigen brüchigen Stellen eine Brücke von Gefangenen zur SS schlugen.

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Die Priester haben Anfeindungen aus dem Kreise ihrer Mithäftlinge weder polemisch noch durch Zugeständnisse im Grundsätzlichen ab­gewehrt, sondern durch ihre Lebensführung. Standhaftigkeit und Be­kennermut erzwangen ihnen Schritt für Schritt die Achtung der Mit­gefangenen. Als dann vom Herbst 1942 an den Häftlingen Lebens­mittelpakete geschickt werden durften, eröffnete sich auch der prak­tischen Nächstenliebe ein weites Feld der Betätigung. Anfangs erregte es einigen Neid, daß gerade die Priester sehr reichliche Sendungen aus ihren Gemeinden erhielten. Neid und Miẞgunst verstummten aber oder äußerten sich nur bei solchen Häftlingen, die ihrer Ver­anlagung nach zu solcher Charakterschwäche neigten, als man sah, daß der größere Teil der Lebensmittel verschenkt wurde,- so groß­zügig, daß die SS mehrmals die Ansammlung von Hungernden vor der Baracke der Priester beanstandete. Ich kann Priester nennen, die den geringsten Teil der für sie bestimmten Liebesgaben behielten und

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