Lumpenproletariat vorstellte, das von den klassenbewußten Kommunisten abgelehnt wurde. Aus diesem Kreise holte sich die SS mit Vorliebe ihre gefährlichsten Mitarbeiter, nämlich jene Häftlinge, die als Vorarbeiter an ihren Mithäftlingen oft die gleichen Schinderdienste verrichteten wie die SS selbst.
Die österreichischen politischen Häftlinge waren anfangs fast ausschließlich hohe Staatsfunktionäre, darunter mehrere Regierungsmitglieder, sowie politisch miẞliebige Intellektuelle aus verschiedenen Berufen und verschiedenen Altersstufen. Die Linke war in den ersten Transporten nur schwach vertreten und wurde erst nach Einlieferung der österreichischen Spanienkämpfer stärker.
In der Tschechoslowakei erfolgten die Verhaftungen und Einlieferungen in das Konzentrationslager anscheinend nach anderen Grundsätzen als in Österreich , denn die deutschen Gefangenen aus dem ,, Sudetengau" gehörten fast ausschließlich dem Arbeiterstande an und waren zu ungefähr 70 Prozent Kommunisten und 30 Prozent Sozialdemokraten. Die Tschechen aber, die nach der Besetzung Böhmens und Mährens ins Lager kamen, waren fast durchwegs wieder ,, Intellektuelle".
Zu den politischen Häftlingen zählten selbstverständlich auch die Polen und die Ukrainer, die nach Kriegsbeginn in großen Sammeltransporten ankamen. Sie wurden als Paria behandelt, bei grober Arbeit und in überbelegten Unterkünften. Unter den gefangenen Polen waren wieder alle Klassen und Stände vertreten, viele Landarbeiter, Kleinbauern, Lehrer, Studenten, Professoren und auch Offiziere. In den späteren Kriegsjahren versammelte das Lager eine wahrhaft internationale Gesellschaft. Neben Deutschen , Österreichern und Slawen gab es Luxemburger, Holländer, Belgier, Franzosen, etliche Spanier und Italiener. Eines Tages wurden mehrere hundert russische Kinder eingeliefert, Knaben zwischen zehn und sechzehn Jahren, die in eigenen Baracken untergebracht wurden. Im Jahre 1943 bildeten die Reichsdeutschen im Lager nur mehr eine Minderheit.
Die katholischen Priester waren in eigenen Baracken untergebracht, und zwar die Österreicher, die Deutschen und die Fremdnationalen, mit Ausnahme der Polen , sowie einige protestantische Seelsorger in der Baracke Nummer 26, die Polen , unter ihnen ein Bischof, in den Baracken Nummer 28 und 30.
Die Behandlung der Priester war zu verschiedenen Zeiten sehr ver
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