DER ROSENKRANZ DES PATERS SERRA

349

seinem Standplatz neben der Tageskasse wie der Beamte seinem Bureau zuschreitet, wie auch nachts, wenn er todmüde vom tagelangen Groß- Dastehn sich in sein weithingedehntes Bett verteilt, quält ihn, wie einen erfolgreichen Filmschrift­steller oder einen dreimal geschiedenen Movie- Star, der Ge­danke, daß ein anderer irgendwo schon vor der Türe steht, der ihm seine Prominenz streitig machen könnte, weil er um zwei, drei oder auch nur eine Linie höher ragt. Was auch in seinem Falle tatsächlich schon vorgekommen sein soll, wenngleich sich später zu seinen Gunsten herausstellte, daß sich das Wunder auf Einlagen und unerlaubt hohe Absätze zurückführen ließ.

Der Mann unterm Drachentor des phantastisch überladenen Chinesischen Filmpalastes ist, wie man merkt, jeder Verallge­meinerung fähig. Denn wie die Lieblinge und erst recht die­jenigen, die es nicht mehr sind, in Hollywood zu erzählen wissen, ist hier niemand seiner Stellung sicher, auch wenn er noch so hoch ragte; der Platz neben dem Kassenstand ist hier immer gefährdet. Immer wieder ereignet es sich, daß die größ­ten Lieblinge nach märchenhaften Erfolgen in ihren an Tausendundeine Nacht des Erfolges erinnernden Lustschlöß­ chen und Zaubergärten am Rande einer endlosen Palmenallee in Beverly Hills beschäftigungslos dem Trübsinn ergeben hin­dämmern, weil ihnen oder einem anderen nichts einfällt. Sie sind oft jahrelang so gut wie vergessen, man sieht sie kaum mehr, teils weil man sie nicht sieht, teils weil man sie nicht bemerkt, was der theatermäßige Ausdruck des Vergessenseins ist, und wenn sie nicht das Glück haben, sich in der Zwischen­zeit scheiden lassen zu können oder sich in einen Vaterschafts­prozeß verwickelt zu sehen, wie der unermüdliche Charlie Chaplin , würden sie der Öffentlichkeit völlig abhanden kommen. Höchstens eine flüchtige Fußspur lassen sie da und dort groß­mütig zurück, wie zum Beispiel auf dem Vorplatz meines Holly­wooder Hotels. Dort begegnete ich gleich beim Betreten zwei