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MIT MIR IN AMERIKA

Bürger ,, Mayor " werden, denn wir leben in einer Demokratie. Auf dem Wege in mein Hotel, das mich später bei näherer Bekanntschaft lebhaft an das Hotel Elisabeth in Ischl erinnerte ( die Potentaten abgerechnet), zeigte mir mein Mentor einen Zwerg, der an einer Straßenecke Zeitungen feilhält, mitunter aber auch sich selbst verkauft, wenn nämlich gerade ein Film gedreht wird, bei dem ein Zwerg gebraucht wird. Gestützt auf eine hiedurch erworbene Volkstümlichkeit und zwergische Allerweltsbeliebtheit, die er gegebenenfalls in ein entsprechend hohes Honorar umzusetzen weiß, hatte der kleine Mann kürz­lich auf den Bürgermeisterposten in Hollywood kandidiert. Sein Gegenkandidat, um die Komödie abzurunden, war der größte Mann von Hollywood und wahrscheinlich von ganz Amerika . Er mißt gut und gern, denn auch er lebt davon, seine neun Fuß und steht Tag für Tag von früh bis Mitternacht vor dem Chinesischen Filmpalast am Hollywooder Boulevard, von verhältnismäßig normalen Menschen, die bewundernd zu ihm emporstarren, bis zum Gürtel rege umwimmelt. Die Nähte seiner Hosen, die gewöhnlichen Sterblichen bis über den Kopf reichen würden, sind auf mexikanische Art mit einem aus­gefransten Goldsaum verziert, und das Hochgebirge seiner Brust deckt ein grasgrüner Frack, dessen schlankmachende Schöße bis in die Niederungen seiner Persönlichkeit herab­hängen, während eine napoleonische Grenadiermütze, ihn noch etwas größer machend, die gewöhnlich sorgenvoll umwölkte Stirn des großen Mannes krönt. Daß sie so sorgenvoll die handlange, obzwar proportionierte Nase überragt, hat seine guten Gründe und nicht nur den, daß auch er bei der Bürger­meisterwahl den, wenn man so sagen darf, kürzeren zog, son­dern tiefer verzweigte. Der unvergleichliche Mann ist nämlich, wie jeder andere Unvergleichliche in Hollywood , in keinem Augenblicke seiner Stellung sicher, und wenn er morgens um neun mit klafterlangen Schritten, ernst, wenn auch gehoben,