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tadellos frisiert und meist schon am frühen Morgen wie Abendbräute gelockt und parfümiert. Auch sonst läßt das make up nichts zu wünschen übrig: die Augenbrauen sind ausgezupft und die Mündchen lackiert. Immerhin soll ihnen nicht vergessen sein, daß sie im zweiten Kriegsjahr ein Autodafé des Lippenstiftes ,, for defense" im Universitätsgelände wenigstens öffentlich veranstalteten. Auch die männlichen Studenten lernten mittlerweile ihre Uniform mit ritterlichem Anstand tragen, ja sogar einer älteren Dame im Street Car höflich Platz machen.
Auch ihrer Unbildung ist nicht unbedingt zu trauen. Sie verstecken nur, was sie wissen, und äußern es gegebenenfalls mit unverhoffter Plötzlichkeit. Als ich einmal einen dieser blondhaarigen Redwood- Jünglinge fragte, was er von Napoleon wisse, erhielt ich wie aus der Pistole geschossen die mich ent-waffnende Antwort: ,, Napoleon ist der zweite Soldat der Weltgeschichte." ,, Und wer ist der erste?" fragte ich erschrocken. ,, Wellington , weil er Napoleon besiegt hat!" Der Erfolg, das merkte ich nicht zum ersten Male, ist in Amerika alles.
Der Erfolg, den ich nicht hatte, lockte mich bald darauf von Berkeley nach Hollywood hinunter, wo die Frage nach Napoleon wieder ganz anders beantwortet würde, nämlich mit einem zielsicheren ,, Mouni", denn wer sonst sollte ihn spielen? Die Besetzung ist hier alles, weil das Theater alles ist, und wenn man Theater sagt, meint man natürlich den Film. Eine Siedlung von meist deutsch , oft mit stark ungarischem Akzent sprechenden Theaterleuten, ist Hollywood mit seinen weit auseinander laufenden Palmenalleen im Vordergrund und einer Art Berner Oberland als Kulisse mehr eine Bühne zu nennen als eine Stadt; ein Schauplatz, auf dem ein paar hunderttausend Menschen soviel mögen hier, das sündhaft schöne Beverly Hills eingerechnet, beim Theater beschäftigt sein-, eine Art Gemeinwesen agieren, das der Theaterteufel als selbstgewählter Bürgermeister regiert. Übrigens kann jeder Hollywooder


