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MIT MIR IN AMERIKA

Von dieser vollkommen überflüssigen, manchmal lästigen Be­heizung abgesehen, ist es eine Wonne, in dieser luftigen Bücherkathedrale, an deren Eingangswand die Bronzebüsten von Dante und Einstein, vorurteilslos nebeneinander gestellt, den Kömmling grüßen, zur Göttin der Gelehrsamkeit zu beten. Ein einzigesmal nur fühlt' ich mich verstimmt, als ich, auf ein Buch wartend, zwei Jahre vor der Moscow declaration, den Artikel ,, Austria " aufschlug. Was erfuhr ich da, im Jahrgang 1941, über Österreich ? ,, Austria- see Germany!" war alles, was ich erfuhr. Nun, das ist ein Druckfehler, den die Geschichte schon wieder ausgelöscht hat.

Natürlich wird an dieser von Eukalyptuswäldern gegürteten ,, University of California", deren Vizepräsidenten Dr. Monroe Deutsch ich als einen Mann von hoher Gelehrsamkeit und vor­bildlicher Gesinnungstreue kennen und verehren lernte, auch studiert und nicht nur von den Professoren, die rastlos an ihren Büchern schreiben und sich auf ihre lectures vorbereiten, son­

dern auch von der heranblühenden Jugend beiderlei Ge­schlechts, die nur nicht immer merken läßt, wie fleißig sie ist. Wer darf sich darüber wundern in einer Zeit, in der überall in der Welt der Bildungsdünkel des neunzehnten Jahrhunderts von einem wahren Unbildungsdünkel des beginnenden zwan­zigsten Jahrhunderts sich abgelöst sieht? Der ,, akademische Bürger" von heute will weder akademisch sein noch bürger­lich, was auch in seinem Anzug und Gehaben deutlich genug zum Ausdruck kommt. Die jungen Riesen, die man vollzählig nur am Wochenende im Stadion bei den Fußballwettkämpfen sich versammeln sieht, tragen quergestreifte Ruderleibchen und kanariengelbe, gerippte, möglichst verschmierte Samtbein­kleider; die jungen Studentinnen treten nacktbeinig einher, auf sogenannten tramps mit umgeschlagenen Wollsocken. Doch sind sie im Gegensatz zu den jungen Leuten, unter denen nicht gekämmt zu sein noch für besonders schick gilt, wenigstens