DER ROSENKRANZ DES PATERS SERRA

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Reise in die Ewigkeit antrat, hatte er alles in allem ein Dutzend ,, Missions" ins Leben gerufen. Eine davon ist das liebliche Santa Barbara , eine rosige Perle am goldenen Küstensaum; eine andere das entzückende Karmel, eine bläuliche Perle am gisch­tenden Meere und im Schatten schwarzwolkiger Monterey­föhren. Alle zusammen bis hinunter nach Los Angeles genannt nach den Engeln, die das Bild der Madonna um­schwärmen und darüber hinaus bilden eine fromme Perlen­schnur, die eine spanisch- katholische Metapher ,, El rosario di Padre Serra", den ,, Rosenkranz des Pater Serra", nennt.

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SO

Was in Europa die Kathedralen, sind in Amerika die Brücken. Das ist eine New- Yorker Erfahrung, die sich ebenso wie auf die dortige Washington - und Brooklyn- Bridge auf das meerüberspannende rotgoldene Golden Gate und die acht Kilo­meter lange Baybridge anwenden läßt, die sich bei Nacht wie eine gleißende Schlange über die Bay windet und sich bei Tage, wenn man sie im Straßenbahnwagen entlang gleitet, in eine andere Route de la Corniche verwandelt, Oder man kann, noch südlicher, an die Bucht von Neapel denken, mit der es der Landschaftsblick auf und von San Francisco in jeder Hinsicht aufnimmt. Der Weg über das Golden Gate hingegen führt zu den himmelnahen Redwood- Bäumen hinüber, dieser anderen Kathedrale, deren Dach das feinste immergrüne Nadelwerk bildet, von den rotgoldenen Riesenpfeilern uralter Redwood­stämme zu einer Höhe emporgetragen, die die Besucherschar, die unten zwischen aromatischem Lorbeergebüsch einen murmeln­den Wiesenbach entlang wandert, zu einem Ameisengewimmel macht. Übrigens tut man den Redwood- Riesen unrecht, wenn man sie uralt nennt; gegen den Tod gefeit, sind sie, soweit das Gedächtnis der Menschheit zurückreicht, recht eigentlich un­