NEW YORK UND DER NICKEL

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keiten sprach, jenen Entgleisungen zum Trotz, doch auch so viel bei Lebzeiten verheimlichte Freundschaft und Liebe aus diesen gedruckten Würdigungen meines Erdenwallens, daß ich sie mit einem Gefühl herzlicher Erkenntlichkeit in meiner Schreibtisch­lade verrascheln hörte. Konnte ich doch mit Mark Twain aus der Ewigkeit kabeln: ,, Gerüchte von meinem Tod stark über­trieben!" und, indem ich mich in Amerika zu Bett begab und dem deutschen Tollhaus vergnügt den Rücken wandte, mit dem ,, Prinzen von Homburg ", des trotz alledem großen deutschen Dichters Kleist sagen:

Seit ich mein Grab sah, will ich nichts als leben! Nur den darauffolgenden Vers ihm nachzusprechen, kann ich mich noch immer nicht entschließen:

Und frage wenig, ob es rühmlich sei...

Über New York etwas Endgültiges auszusagen, war ich, wie jeder Schriftsteller, schon auf der Reise nach New York ent­schlossen. Später wurde ich bescheidener. Ich entband mich der Verpflichtung, New York zu entdecken; New York ist bereits entdeckt von einer langen Reihe literarischer Kolumbusse. Im Flug erhascht, kann man es höchstens in einer Art Verkürzung wiedergeben. Als mir der österreichische Maler Wilhelm Thöny , schon vor Jahren, eines seiner Bilder von New York zeigte, das derzeit, glaube ich, in einem Museum in Philadel­phia hängt, meinte er den geringen Umfang seiner Leinwand bei mir entschuldigen zu müssen. Ich tröstete ihn und, ahnungs­los, auch schon mich selbst mit den Worten: ,, New York ist so groß, daß man es nur klein malen kann."

Wozu kommt, daß New York zweimal schön ist: Wenn man nach New York kommt, und wenn man, nach Jahren, wieder­kommt, und dann ist es noch schöner. Ich werde daher, um