DER HOLLE ZWEITER TEIL

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arteter Machtwille und Rechtsbruch schließlich führen, konnte ihm nicht schlagender beigebracht werden als im deutschen Kon­zentrationslager.

Der Deutsche und der zur Selbständigkeit erwachte Öster­reicher werden die Lehre nie vergessen. Auf ihr und auf ihr allein beruht die nicht zu unterschätzende geschichtliche Bedeu­tung Adolf Hitlers . Der Größte Deutsche", wie er sich nicht ungern nannte, war, um ein unsterbliches Wort des wirklich größten Deutschen: Goethe, zu beschwören, doch nur

... ein Teil von jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Es gibt erlebte Worte, die tiefer in einen Zustand hinein­leuchten, als es die umständlichste Beschreibung vermöchte.

Ein solches Wort kommt mir wieder in den Sinn, wenn ich mir die gezählten Wiener Tage nach meiner Befreiung und vor meiner Auswanderung vergegenwärtige.

Ich hatte natürlich zahllose Grüße meiner armen Mitgefan­genen an ihre Wiener Angehörigen mitnehmen müssen, dar­unter auch einen an die Frau des Wiener Kabarettisten Fritz Grünbaum , den zu bestellen ich mich besonders beeilte.

Fritz Grünbaum war eine der rührendsten Figuren im Lager gewesen. Seine trübselige Lustigkeit hatte immer schon an eine ins Kabarett verirrte Andersen- Figur denken lassen, und wenn der kurzbeinige, kleine Mann auf den Dachauer Arbeitsplätzen von unseren rohen Quälmeistern umhergehetzt wie ein Dackel galoppierte, oder, angehalten, mit gerunzelter Stirnhaut, wie ein Dackel, aufmerksam Rede stand, schien er nur um so mehr geradewegs aus einem Andersen- Märchen entsprungen. Er war in solchen Augenblicken nicht so sehr ein Dachauer Gefangener als vielmehr ein Dachauer Gefangener, den Fritz Grünbaum